Untersuchungen mit Kindern 2
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Untersuchungen mit Kindern 2

 

Die Kinder sollten zwei Modelle bauen mit dem Material »Lorenz baufix Basic Set Nr. 509683« ab drei Jahren. An diesem Versuch nahmen fünfzehn Kinder teil, von denen zehn bereits am Puzzle-Versuch teilgenommen hatten. Die fünf anderen Kinder waren von den Erzieherinnen nach den Kriterien ausgewählt worden: verhaltensauffällig – wahrscheinlich AD(H)S – vs. verhaltensunauffällig, im Verhältnis 2 (ADHS) : 3. Unter diesen fünfzehn Kindern waren vier Mädchen.

Zum Bau der beiden Modelle gab es als Arbeitsanleitungen zwei unterschiedliche Instruk-tionen. Das erste Modell sollte ohne Kenntnis des Ergebnisses nur nach Anweisung in einzelnen Arbeitsschritten zusammengebaut werden. Mit dieser Aufgabe wollten wir untersuchen, ob AD(H)S-Kinder die Kenntnis des Ziels (oder Zwecks) brauchen, um eine Aufgabe gut lösen zu können. Wir erwarteten, dass AD(H)S-Kinder, wenn ein solches nicht genannt wird, entweder ein Ziel setzen, indem sie dieses über den Kontext zu erraten suchen, oder erhebliche Probleme bei der Ausführung haben werden. Nach den Erfahrungen der Lehrerin unseres Arbeitskreises aus dem Schulunterricht nahmen wir an, dass sie in letzterem Fall aus Unsicherheit vermehrt nachfragen würden, da sie die Bestätigung benötigen, die Anweisung richtig verstanden zu haben. Passagen, die unsere Annahmen bestätigen sind kursiv gedruckt. Die normgesteuerten Kinder sollten dagegen keine Probleme mit der Ausführung haben.

Das erste Modell war eine „rollende Ente“

Rollende Ente

 

 

 

 

 

Abb. 3: baufix-Modell Nr. 207: Die „rollende Ente“

(Aus meinem Buch: „Vom Gewahrwerden zum Bewusstsein“ [ISBN 978-3-940958-01-3], erhältlich im Reiner Saunar Verlag, Aldersbach)

Bei diesem Modell war das Ergebnis den Kindern zu Beginn nicht bekannt. Es wurde gewählt, weil es erst nach der Fertigstellung zu erkennen und der Zusammenbau relativ einfach ist. Zuvor erhielten die Kinder Gelegenheit, sich mit dem Material vertraut zu machen. Es wurden die einzelnen Teile benannt und ihre Funktion erklärt, außerdem wurde geprüft, ob die Kinder die Farben kennen und eine Zahlenvorstellung im Zehnerraum haben. Die Kinder durften außerdem die Handhabung üben, z. B. schrauben.

Die benötigten Teile sollten vor Baubeginn vom Kind nach mündlicher Anweisung durch die VL aus dem Kasten herausgesucht werden: vier Fünferlochstangen, vier Räder, vier Naben, zwei rote und je ein blauer und ein grüner Würfel, vier Unterlegscheiben, eine grüne, zwei orangefarbene, drei rote und vier blaue Schrauben, eine orangefarbene Mutter, ein Werkzeug (Schraubenschlüssel / Schraubenzieher)

Die Einführung lautete:

„Heute wollen wir etwas bauen, ich sage dir aber noch nicht, was es wird. Das sagst du mir dann. Wir bauen etwas mit diesen Teilen – kennst du dieses Spielzeug? (baufix zeigen und Teile heraus holen lassen).“

Die Anweisung lautet:

Nimm bitte eine Lochstange. Jetzt steckst du die grüne Schraube in eines der Löcher am Ende der Stange (darauf zeigen). Nun nimm den grünen Würfel und schiebe ihn mit der großen Öffnung auf die Schraube. Jetzt nimmst du die orangefarbene Mutter und schraubst sie an der grünen Schraube fest. Nimm nun eine rote Schraube und stecke sie am anderen Ende der Stange durch das vorletzte Loch (darauf zeigen). Jetzt nimmst du einen roten Würfel und befestigst die Schraube am Würfel. Nimm nun eine orangefarbene Schraube und stecke sie von unten in das letzte Loch (auf Loch und Richtung zeigen). Nun nimm den anderen roten Würfel und mache ihn mit der orangefarbenen Schraube fest.

Lege dieses Teil hin und nimm bitte ein Rad. Jetzt steckst du eine Nabe durch das Loch im Rad (eventuell zeigen) – und nun steckst du eine blaue Schraube durch die Nabe, aber durch den dünnen Teil der Nabe (darauf zeigen). Nimm nun eine weitere Stange und führe die Schraube mit dem Rad durch ein Loch am Ende der Stange (auf Schraube und Loch der Stange zeigen und Richtung zeigen). Jetzt brauchst du eine Unterlegscheibe und steckst sie auf die Schraube. Jetzt schraube alle Teile hier am grünen Würfel fest (auf Öffnung am Würfel zeigen; fragen ob Hilfe benötigt wird; evtl. festhalten und Kind schrauben lassen) [gleiche Anweisung für zweites Rad]. Jetzt nimmst du wieder ein Rad, steckst wieder eine Nabe in das Loch. Dann nimmst du eine blaue Schraube und führst sie durch das Rad. Nun schraubst du dieses Rad am unteren roten Würfel hier fest (darauf zeigen) [gleiche Anweisung viertes Rad]. Nun nimmst du die letzte Stange und befestigst sie senkrecht mit einer roten Schraube vorne am grünen Würfel (auf Öffnung zeigen und Richtung der Stange zeigen). Jetzt nimm bitte die orangefarbene Schraube, stecke die beiden Unterleg-scheiben auf die Schraube und mache sie am blauen Würfel fest (zeigen). Nun steckst du die rote Schraube von hinten durch das obere Loch an der vorderen Stange (zeigen)und schraubst sie mit dem blauen Würfel fest (zeigen). Fertig, was ist es?

 

Sonderanweisung: Bei Schwierigkeiten, die richtigen Teile zu finden, auf die Teile zeigen: das!

 

1) Marco

Die VL fordert ihn auf, die Teile aus dem Kasten zu nehmen. Marco nimmt sie heraus: „Die weiß ich schon.“ Nennt Anzahl und Farben, zählt aber Löcher in den Stangen nicht nach. Will nicht üben, sondern gleich anfangen. Schaut zur Assistentin, die Protokoll führt. Befolgt die ersten drei Anweisungen, schaut während der Anweisungen nicht die Bauteile, sondern die VL an. Nimmt die grüne Schraube und will sie, trotz der Anweisung, sie ganz durch die große Öffnung des Würfels zu führen, gleich am grünen Würfel festschrauben. Nachdem er die Mutter befestigt hat, setzt er an ihr den Schraubenschlüssel an, sagt: »Das geht nicht«, versucht es trotzdem, schraubt dann von Hand fest. Beim Verschrauben von roter Schraube und rotem Würfel instruiert er sich leise: „Mit der großen (er meint den Durchmesser der Öffnungen beim Würfel) geht’s nicht, aber mit der kleinen“ (die hat ein Gewinde). Beim Verschrauben von orangefarbener Schraube und rotem Würfel sagt er noch einmal: „groß oder klein?“ Nimmt für den Aufbau des ersten Rades die Teile nach Aufforderung, wirkt dabei angespannt. Hat aber keine Probleme, die einzelnen Teile auf die Schraube zu bringen und richtig am Würfel anzusetzen; meint: „Ich weiß, was es wird: ein Motorrad.“ Baut auch das zweite Rad nach Anweisung zusammen, schaut VL, als er die zweite Stange nehmen soll, an. VL: „Ja“. Wartet beim Befestigen des zweiten Rades nicht die Anweisung ab, sondern will es an den hinteren Würfel anschrauben: „Mach ich die letzte..“ singt! Ist etwas verwirrt, als VL zeigt und sagt: »Nein, nicht am hinteren, vorn am grünen Würfel festmachen.« Die Teile fallen auseinander, er muss sie noch einmal zusammen setzen. Befestigt das Rad an der gegenüber liegenden Seite des Würfels, sagt nun: „Oder ein Auto wird das, soll ich schrauben?“ Probiert, ob das Rad fest sitzt: „Geht gut“ und dreht das Rad. Beim Aufbau des dritten Rades wartet er wieder nicht die Anweisung ab, sondern greift bereits nach der Unterlegscheibe, obwohl diese für die hinteren Räder nicht gebraucht wird. Befestigt die hinteren Räder problemlos, einmal fällt ihm das Werkzeug herunter. Fragt, als er die letzte Stange nehmen soll: „Was brauch` ich da?“, folgt der Anweisung, sie mit roter Schraube zu befestigen. Flüstert: „Schraube will nach Hause.“ (die Türglocke hat geläutet, es werden Kinder von ihren Eltern abgeholt). Wartet die letzte Anweisung, den Würfel oben an der Stange zu befestigen nicht ab, sondern sagt: „Das mach ich gleich so.“ Schraubt ihn auch richtig oben an. Schaut das fertige Modell an, bewegt die Stangen, die als Flügel dienen und fährt es vor und zurück. Die Frage, was er gebaut habe, beantwortet er mit: „Ein Auto oder ein Roller.“

 

 

2) Dieter

Dieter sucht die richtige Anzahl der einzelnen Teile heraus, indem er mitzählt, legt sie sorgfältig und ordentlich nebeneinander auf den Tisch; die Räder stapelt er. Er wirkt sehr eifrig. Will bei den Schrauben und der Mutter mehr als die vorgesehene Menge haben. Schaut dann die Teile auf dem Tisch an, als die erste Anweisung ergeht. Wiederholt eine Anweisung: „Grüner Würfel“, während er nach dem Teil greift. Freut sich. Baut die ersten Teile nach Anweisung zusammen, sagt dann: „Ich will nicht so.“ Führt die Anweisung aber doch aus. Hat einmal etwas Schwierigkeiten zu verstehen, was mit vorletztem Loch bei einer der Stangen gemeint ist, VL zeigt: „das“. Er folgt der Anweisung, ohne VL anzusehen, sagt: „So muss man es machen.“ Mustert, wenn eine Anweisungen gegeben wird, die Bauteile am Tisch, schaut nicht zur VL hin. Hält nachdem er das erste Teilstück fertig montiert hat, dieses wie eine Pistole in Richtung der Kamera und lacht, bevor er es zur Seite legt. Steckt eine blaue Schraube ins Rad, fragt: „Das?“, schaut VL dabei aber nicht an. Hat vorübergehend Schwierig­keiten der Aufforderung zu folgen, eine Unterlegscheibe zu nehmen, mustert die einzelnen Teile auf dem Tisch. Die VL zeigt sie ihm, er nimmt sie, sagt wieder: „Das!“, ohne VL anzuschauen. Er schraubt das Rad fest, strahlt in die Kamera. Baut die einzelnen Teile ohne große Schwierigkeiten zusammen, lässt sich von der VL beim Festhalten der zusammengebauten Teilstücke helfen. Er arbeitet schnell, willig und mit offensichtlichem Spaß, greift nicht vor, sondern arbeitet genau nach Anweisung. Sagt, nachdem er die Teile für das zweite Rad zusammengesetzt hat, nach einem Vergleich mit dem Modell: „Da haben wir noch zwei.“ Er meint die Unterlegscheiben. Auf die Anweisung, das Rad am grünen Würfel zu befestigen, versucht er es anzudrücken. VL: „Nein, nicht drücken, schrauben.“ Er schraubt nun, runzelt dabei die Stirn. Folgt nicht der Aufforderung, das nächste Rad zu nehmen, sondern mustert wieder die restlichen Teile auf dem Tisch. Statt der Aufforderung zu folgen, eine blaue Schraube zu nehmen, nimmt er den blauen Würfel. VL zeigt auf die Schraube. Er nimmt die Schraube, meint dann: „Oder lieber eine rote.“ VL sagt: „Das geht aber nicht, denn die passt nicht.“ Er schraubt daraufhin das Rad mit der blauen Schraube an. Dreht zunächst in die falsche Richtung, stellt es fest und dreht in die andere, sagt: „So muss es sein.“, freut sich. Während er das vierte Rad zusammenbaut, strahlt er: „Gleich sind wir fertig.“ Will diesmal alle Unterlegscheiben nehmen, obwohl für die hinteren Räder keine benötigt werden. VL: „Die brauchen wir noch nicht.“ D. fragt: „Was dann?“, und mustert dabei die Teile auf dem Tisch. VL: „Wir müssen erst das Rad anschrauben“, zeigt auf Würfel und Modell. D. schraubt das Rad an, fährt das Modell über den Tisch, freut sich, weil es funktioniert. VL: „Wir sind noch nicht ganz fertig, wir brauchen noch eine Stange.“ Er wiederholt: „Stange.“ Nimmt sie und versucht, sie unter das Modell zu schieben. Sagt beim Festschrauben der Stange: „Das ist aber schon schwer.“ Schaut, während er schraubt einmal in die Kamera, freut sich, guckt dann wieder auf das, was er tut. Ist nur einmal irritiert, als die VL sich bei einer Anweisung geirrt hat, schaut nun VL etwas verwirrt aber abwartend an, guckt ernst drein. Baut dann aber ohne Schwierigkeiten vergnügt weiter. Was ist es? D. strahlt: „Ein Auto“. Spielt eine Weile damit.

 

 

3) Christoph

Er sucht die Teile heraus, zählt sorgfältig die Löcher bei den Stangen nach, bei der vierten greift er gleich nach der richtigen, besinnt sich und zählt noch einmal nach und schaut VL danach fragend an. Nach Aufforderung eine Stange zu nehmen, wiederholt er: „Eine Stange.“ Schaut die Teile auf dem Tisch an, nimmt eine Stange und legt sie vor sich auf den Tisch, schaut VL an. Greift nach Aufforderung, die grüne Schraube zu nehmen erst zögernd dann ruckartig danach, dann: „Die?!“, zeigt sie der VL, schaut VL an. VL: „Ja.“ Nimmt den grünen Würfel, muss noch einmal daran erinnert werden, dass die kleine Öffnung ein Gewinde hat und er die Schraube durch die große Öffnung stecken muss. Dreht, nachdem er die Schraube mit der Mutter befestigt hat, das Teilstück in der Hand und schaut es von allen Seiten nachdenklich an. Nimmt die rote Schraube, sie fällt zu Boden. Er nimmt nach Aufforderung den roten Würfel, fragt: „Der da?“, schaut VL an. VL: „Ja.“ Muss wieder daran erinnert werden, dass nur die kleine Öffnung ein Gewinde hat. Er schaut den Würfel an, zeigt der VL die Öffnung, fragt: „Die?“ VL: „Ja.“ Er schraubt mit dem Werkzeug, das ihm mehrfach aus den Händen rutscht. Er schaut nach jeder Aufforderung erst einmal die Teile an, greift dann mit ruckartiger Bewegung zu. Fragt nach Aufforderung, den zweiten roten Würfel zu nehmen: „Den?“, schaut VL an. VL: „Ja!“ Nach Aufforderung, ein Rad zu nehmen, fragt er:“Wozu denn?“ VL: „Was denn?“ C: „Was zu machen?“ VL: „Ja, damit müssen wir auch was machen.“ C. steckt den Finger durch die Radmitte, schlenkert mit dem Rad. Nimmt die Nabe nach Aufforderung, fragt wieder: „So?“, schaut VL fragend an. Steckt die Nabe ins Rad. VL: „Ja, so.“ Er wiederholt die nächste Aufforderung: „Blaue Schraube?“ Steckt sie durch das Rad, fragt wieder: „So?“, schaut VL fragend an. VL: „Ja, genau.“ Befolgt die nächsten Anweisungen. Wiederholt, als er das nächste Rad nehmen soll: „Noch ein Rad.“ Schaut, während er die Teile für das zweite Rad zusammensetzt immer wieder zum bereits am Modell montierten Rad hinüber, ohne seine Tätigkeit zu unterbrechen. Das Anschrauben am Modell gelingt nicht sofort. VL: „Mach es erst einmal mit der Hand fest.“ C.: „So?“ schaut VL fragend an. Er schraubt das Rad fest. VL richtet die Teile zurecht, C. schaut, fragt: „Was soll das sein?“ Schlägt sich dann an den Kopf, macht: „Hh“. Nimmt nach Aufforderung das dritte Rad, schaut VL fragend an. VL: „Ja.“ Er legt die Teile vor sich auf den Tisch. Greift beim Zusammenbauen nach Unterlegscheibe. VL: „Nein, nur festschrauben.“ C. schraubt, schaut dabei in die Kamera. Schaut auch beim Zusammensetzen des vierten Rades nur flüchtig auf das, was er tut, schraubt es fest. Fährt dann mit dem Modell auf dem Tisch hin und her, macht dabei Geräusche. Fragt bei der Anweisung, die Schraube und zwei Unterlegscheiben zu nehmen wieder: „So?“ VL: „Ja.“ Bei der Anweisung, beide Scheiben auf die Schraube zu setzen fragt er wieder: „Auf die Schraube drauf?“ Eine der Scheiben fällt zu Boden. VL: „Ja.“ Fragt, nachdem er aufgefordert wird, den blauen Würfel zu nehmen – es ist nur noch dieser Würfel auf dem Tisch: „Blauer Würfel?“ VL: „Ja, genau.“ Nimmt ihn, fragt: „Gut so?“ VL: „Ja.“ Sagt, während er ihn anschraubt: „Das war das letzte, jetzt bin ich fertig.“ Meint, es sei ein Auto.

 

 

4) Yvonne, fünf Jahre alt

Sie sucht nach Aufforderung Teile heraus, nennt ihre Anzahl, ebenso Anzahl der Löcher in Stangen, kennt die Farben. Prüft Würfelöffnung mit Gewinde: „Das rollt so, fühlt sich komisch an.“ Kennt Mutter nicht, stellt aber fest, dass man eine Schraube eindrehen kann, schraubt sofort richtig herum: „Kann man so drehen, um ans Auto ranzuschrauben.

Nimmt nach Aufforderung eine Stange und die grüne Schraube, schaut VL an. VL bestätigt: „Ja.“ Nimmt grünen Würfel und schraubt ihn richtig herum an die Schraube, braucht keine Hilfe, wirkt aber etwas aufgeregt (sie „hudelt“). Sagt: „Ich weiß schon, was es wird, wie ein Hubschrauber“, hält dabei Würfel in der Hand und zeigt auf die Stange, macht eine Drehbewegung mit dem Teilstück. Nimmt die nächste Schraube: „Eine rote hab ich.“ Schraubt sie sicher am Würfel fest, benötigt keine Hilfe schaut aber VL nachdem sie fertig ist fragend an: „So!?“ VL: „Ja, prima.“ Schraubt den nächsten Würfel mit Schraube fest: „So?!“ VL: „Ja, sehr gut.“ Baut die Konstruktion für das erste Rad zusammen, ist sehr geschickt in der Handhabung. VL zeigt, wo das Rad angeschraubt werden soll. Y.: „Hier?“ VL: „Ja.“ Auf die Frage, ob VL helfen soll meint sie: „Ich glaub, ich schaff`s.“. Hat dann aber doch Schwierigkeiten, die Teile der Radkonstruktion fallen auseinander, sie baut sie wieder zusammen und lässt sich diesmal beim Festschrauben helfen: „Ich glaub`, es geht jetzt wirklich schwierig.“ Baut das zweite Rad problemlos zusammen, bittet um Hilfe beim Festschrauben, sagt dabei: „Ist auch schwer zum Raten.“ Schaut dann das bisher Erreichte prüfend an: „Jetzt hab` ich’s, ich glaub`, ich weiß schon, was.“ Baut das dritte Rad zusammen: „Ich weiß schon, was es ist.“ Will zur Stange greifen, VL: „Die brauchen wir noch nicht“, zeigt, an welcher Stelle das Rad angeschraubt werden soll. Y.: „Da?“, schaut VL an. VL: „Ja, da.“ Baut viertes Rad zusammen; auf Anweisung, es an der gegenüberliegenden Seite des roten Würfels festzuschrauben, fragt sie wieder: „Da?“, schaut VL an. VL: „Ja.“ Schraubt das Rad an, schaut VL an. VL: „Ja, du machst das wirklich ganz toll.“ Hat Schwierigkeiten, die letzte Stange am Modell anzuschrauben, weil das Modell wegrollt. VL hält es fest. Y.: „Das ist unfair, wenn es wegrollt.“ Findet die letzte rote Schraube nicht, die hinter dem Modell liegt, lacht, als VL: sagt: „Die hat sich versteckt.“ Schaut, bevor sie den letzten Würfel an der Stange befestigt: „Och, ohne Gewinde.“ Dreht den Würfel, sagt zur VL: „Kannst du mal halten?“ Schraubt mit viel Geschick und Kraft. Auf die Aufforderung, beide Unterlegscheiben zu nehmen – Y: „Hab ich“, schaut VL an – und auf orange Schraube zu stecken fragt sie: „Alle beide?“, schaut VL an. VL: „Ja.“, zeigt auf Würfel, wo die Schraube befestigt werden soll. Y.: „Da?“ schaut VL fragend an. VL: „Ja.“ – Was ist es? Y.: „Das ist so was, wenn man was nicht tragen kann, wenn man Erde nicht tragen kann, dann nimmt man das und legt die Erde da drauf.“

 

 

5) Jessica, sechs Jahre alt

Sie nimmt eine Stange, zählt die Löcher korrekt nach. Sucht nacheinander alle Teile heraus und legt sie dabei systematisch auf den Tisch nebeneinander hin. Legt bereits auf jedes Rad eine Nabe. Auf die Frage, ob sie einen Unterschied fühlt bei den verschiedenen Öffnungen des Würfels, schüttelt sie den Kopf. Kennt Mutter nicht, nach Aufforderung, die Schraube hinein zu stecken, lacht sie und sagt: „Zum Schrauben.“

Sie nimmt Stange, grüne Schraube, Würfel nach Aufforderung, setzt die Teile nach Anweisung zusammen. Mustert bei jeder Aufforderung die Teile auf dem Tisch, greift dann zielsicher, hat aber Probleme beim Zusammenbauen. Weiß nicht, wie sie die Mutter befestigen soll, dreht in die falsche Richtung. VL fragt, ob sie helfen soll, J. nickt, schaut aber nicht VL, sondern das Material an, kichert ein wenig verlegen. Hat keine Probleme, die richtigen Teile zu finden, muss aber beim ersten roten Würfel darauf aufmerksam gemacht werden, dass man beim großen Loch (der Öffnung) nicht schrauben kann. Sie lacht etwas verlegen. Schraubt den nächsten Würfel an, ihr rutscht dabei die Schraube weg: „Ups!“ Frage von VL: „Soll ich dir helfen?“ J. nickt, schaut aber VL nicht an. Will abermals die Schraube in die große Öffnung hinein drehen. Baut die Teile für die erste Radkombination problemlos zusammen, fragt bei Aufforderung, eine blaue Schraube zu nehmen, einmal nach: „Die blaue?“ mustert dabei die Teile auf dem Tisch. Bittet um Hilfe beim Anschrauben. VL fragt: „Kannst du sie hinein drehen?“ J. versucht, die Stange zu drehen. VL: „Nicht die Stange, die Schraube.“ J. dreht in die falsche Richtung, muss aufgefordert werden, die Schraube rechts herum zu drehen. Baut dann Kombination für zweites Rad problemlos auf. Beim Versuch, die Kombination anzuschrauben fallen die Teile auseinander. J. sagt: „Ups!“ VL hilft. J. dreht Schraube wieder links herum, kichert ein bisschen, als VL sagt: „Du musst sie anders herum einschrauben.“ Beim dritten Rad steckt sie die Schraube in die große Öffnung des Würfels: „Ups, geht gar nicht.“ VL: „Nicht hinten anschrauben, sondern an der Seite, schau,“ zeigt noch einmal auf Öffnung. J. baut die restlichen Teile mit Hilfe von VL zusammen, sucht aber keinen Blickkontakt. Ist fertig und strahlt nun VL an. Was ist es? J. schaut Modell an: „Weiß ich nicht – Feuerwehr.“ Fährt damit auf dem Tisch hin und her.

 

 

Nach der Konstruktion der „Ente“ stellte sich her-aus, dass von den fünfzehn Kindern fünf ein Ergebnis genannt hatten – entweder noch vor Beginn oder nach den ersten Arbeitsschritten, wenn die Räder montiert wurden. Zwei, darunter Christoph hatten dies nicht getan. Bei diesen beiden fiel ganz deutlich die erhöhte Unsicherheit, das große Bedürfnis nach Rückversicherung und Bestätigung durch häufiges Nachfragen auf. Christoph fragte denn auch einmal, was das denn sein solle. Ebenfalls sehr auffallend: Im Gegensatz zu den prädikativen Kindern, die während der Anweisungen die Bauteile auf dem Tisch musterten, schauten die funktionalen Kinder mich (VL)  an – als wollten sie bestätigt bekommen, die Aufforderung richtig verstanden zu haben. Dies taten auch die fünf anderen Kinder, s. Yvonne, wenn auch nicht so häufig wie diese beiden. Alle suchten immer wieder den Blickkontakt und warteten auf Bestätigung. Bis auf eines wirkten alle leicht beunruhigt. Sie redeten auch deutlich mehr als die prädikativen Kinder. Zwei dieser fünf Kinder waren als verhaltensunauffällig ausgesucht worden, während ein als verhaltensauffällig ausgewähltes Kind – Ivo – bei allen Aufgaben wie die prädikativen Kinder vorgegangen war. Jessica ging als einzige bereits beim Heraussuchen der Teile systematisch vor, hatte aber manuelle Probleme, die vermutlich darauf zurück zu führen sind, dass sie das Material nicht kannte. Beim Puzzle war sie deutlich geschickter. Ebenfalls auffallend: Bei diesem Versuch zeigten sich die drei normgesteuerten Mädchen relativ desinteressiert am Ergebnis. Bemerkenswert dagegen bei Yvonne: Nach der Frage, was sie gebaut hat, nennt sie als einzige keinen Begriff, sondern beschreibt den Zweck und was man damit macht. Sie war als verhaltensunauffällig ausgewählt worden. Die prädikativen Buben wie Dieter zeigten kein besonderes Interesse am Ergebnis, hatten aber Spaß am Zusammenbauen der Teile.

 

Auf die Konstruktion des zweiten Modells, eines Hubschraubers, gehe ich nur kurz ein. Dieses Modell sollte nach der Vorlage zusammengebaut werden. Seine Konstruktion war etwas anspruchsvoller. Wir erwarteten, dass funktionale Kinder mit dieser Aufgabe dennoch weniger Schwierigkeiten haben würden, da das Ergebnis bekannt war. Dagegen sollten prädikative Kinder diese Aufgabe als schwieriger empfinden, weil zunächst drei einzelne Teilstücke angefertigt und dann zusammengesetzt werden mussten. Diese Annahme traf zu. Uns fiel bei dieser Aufgabe auf, dass die  funktionalen Kinder weniger Schwierigkeiten mit der räumlichen Vorstellung hatten. Ihnen musste nicht erklärt werden, wie die Teile für den Zusammenbau ineinander gesetzt werden müssen. Die prädikativen Kinder hatten hier teilweise Schwierigkeiten mit der räumlichen Vorstellung: sie setzten die Teilstücke an- bzw. übereinander wie Teile eines Puzzles, statt sie ineinander zu setzen. Es erkannten auch nur zwei dieser Kinder, dass die Stangen für den Rotor kreuzweise und mittig übereinander gelegt werden mussten. Diese Schwierigkeiten hatte keines der funktionalen Kinder.

 

Nach Abschluss der Versuche wurde in Gesprächen mit den Eltern deren Beurteilung ihrer Kinder herangezogen. Von den als funktional /AD(H)S-vermuteten Kindern war eines im Sozialpädiatrischen Zentrum diagnostiziert worden und befand sich in Therapie. Zwei weitere waren vom Kinderarzt als AD(H)S-betroffen eingeschätzt worden. Diese drei Kinder verhielten sich in den Versuchen tätigkeits- und zielorientiert. Die Eltern aller der Kinder, die wie diese drei Kinder vorgegangen waren, kamen uns dann auch schon zuvor in der Beurteilung ihres Kindes. Sie alle sprachen die Auffälligkeit von sich aus an. Bei diesen Eltern fragte ich das Verhalten der Kinder nach Punkten aus der Connors-Rating-Skala ab.

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