Home | Kausalität und ADHS
 / 

Kausalität und ADHS

Kausalität und ADHS, so lautet der Titel dieser Website. Da kann man sich nun fragen: Wie passt das zusammen, was hat Kausalität mit ADHS zu tun, wo ist da die Verbindung?

Fangen wir, um diese Fragen beantworten zu können, mit der Klärung der Begriffe an: Was bedeuten sie, was ist mit ihnen gemeint?

1. ADHS

Die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung gilt als häufigste Verhaltensstörung im Kindesalter. Inzwischen hat man erkannt, dass diese vermeintliche Störung sich nicht auswächst, sondern auch dem Erwachsenen bleibt.  Die Suche nach einer Ursache des abweichenden Verhaltens ist jedoch erfolglos geblieben. Sie wird auch erfolglos bleiben, denn – und das ist das Thema dieser Website -, das Verhalten ist KEINE Störung, sondern eine dem als normal geltenden Verhalten komplementäre Art zu sein, zu denken und sich zu verhalten. Wenn man also nach der Ursache einer Verhaltensstörung oder gar einer Krankheit sucht, dann muss die Suche vergeblich bleiben, wenn das Verhalten normal ist.

Da man nun aber davon ausgeht, dass es sich um eine Störung bzw. Krankheit handelt, schauen wir uns an, wo man nach deren Ursachen sucht. Dazu gibt es recht unterschiedliche Auffassungen, die kontrovers und z. T. auch sehr erbittert geführt werden. Einig ist man sich darin, dass  eine Störung der Informationsverarbeitung vorliegen soll – wobei man dazusagen muss, dass auch von der  angeblich nicht gestörten Informationsverarbeitung unbekannt ist, wie sie funktioniert. Die Beurteilung von richtigem, normalem und falschem, gestörtem bzw. krankem Verhalten beruht daher nicht auf der Kenntnis einer Ursache, sondern auf dem Maßstab, den man anlegt: trotz individueller, kultureller, ethnischer, sozialer, usw. Unterschiede hat die Mehrheit aller Menschen, was ihre Wahrnehmung, ihre Aufmerksamkeit, ihr Denken und Verhalten betrifft, darin etwas Gemeinsames, weshalb sie  die Norm für richtiges Verhalten bestimmen. Eine Minderheit aller Menschen, zu denen auch die von ADHS Betroffenen gehören, weicht davon ab. Nun  gelingt dieser Minderheit allerdings nicht, ihr Verhalten, ihre Aufmerksamkeit und ihre Art wahrzunehmen zu ändern, weshalb sie als krank bzw. gestört gelten. Da sich dieses andere Verhalten einerseits für die Betroffenen existenzbedrohend auswirkt, und sie andererseits damit auch ihre Umgebung stören und zu einer Belastung werden, bemüht man sich, sie zu behandeln. Dazu muss man allerdings wissen, wodurch das Verhalten verursacht ist, anderenfalls kann man – wie dies derzeit auch geschieht – nur die Symptome behandeln. Als Ursachen genannt werden derzeit verschiedene Faktoren, von denen aber keiner letztlich als allein verursachend angenommen wird. Als einer dieser Faktoren gilt die sogenannte Neurotransmitter- anomalie. Darunter versteht man eine Abweichung beim Vorgang der Signalübertragung zwischen den Nervenzellen des Gehirns. Dieser Vorgang wird im Kasten beschrieben.

Die Abbildung zeigt die Verbindung zweier Nervenzellen. Sie wird Synapse genannt. Nervenzellen bestehen aus einem Zellkörper und mehreren Fortsätzen, über die sie synaptisch mit anderen Nervenzellen verbunden sind. Über einen Fortsatz, das Axon, sendet eine Nervenzelle elektrische Signale zu anderen Zellen. Über sehr viele andere Fortsätze, die Dendriten, empfängt sie die Signale vieler anderer Zellen. Zwischen diesen Fortsätzen, dem Axon und den Dendriten, befindet sich ein schmaler Spalt, der synaptischer Spalt genannt wird. Ein Axon besitzt mehrere Ausstülpungen, die Endplatten genannt werden. In der Abbildung ist eine solche Endplatte gelb gefärbt. Die darunter befindliche, braun gefärbte, Platte ist die Endplatte eines Dendriten der Zelle, die das Signal empfangen soll. In der Endplatte des Axons befinden sich kleines Bläschen, welche die Neurotransmitter enthalten. Kommt ein elektrisches Signal an der Endplatte des Axons an, kann es den Spalt nicht überwinden. Deshalb schüttet die Zelle aus den Bläschen Neurotransmitter in den Spalt. Die Endplatte des Dendriten der empfangenden Zelle besitzt sogenannte Rezeptoren, sie sind grün eingezeichnet. An diesen Rezeptoren docken die Neurotransmitter an, und das Signal kann nun weiter zur nächsten Zelle laufen. Neurotransmitter, die nicht mehr benötigt werden, werden nun von sogenannten Transportergenen in die empfangende Zelle zurücktransportiert.Bei ADHS geschieht der Rücktransport sehr schnell. Ritalin reduziert die Menge der Transporter, weshalb die Transmitter länger andocken und die Signalübertragung deshalb auch länger bestehen bleibt.

 

Eine weitere Ursache wird im gehäuften Auftreten von ADHS innerhalb der Verwandtschaft gesehen, weshalb ADHS auch genetisch bedingt zu sein scheint.

Neben diesen medizinisch-biologischen Faktoren wird von anderen Fachleuten die These favorisiert,  ADHS habe seine Ursache im Spannungsfeld von Gesellschaft und Familie. Diese Ansicht wird vor allem von den Gegnern einer medikamentösen Behandlung von ADHS vertreten. Dies sind im Wesentlichen die Auffassungen, die von wissenschaftlicher Seite vertreten werden.

Auf der Seite ADHS wird  im Artikel „Historie der ADHS“ ausführlich auf diese ‚ursachen‘ eingegangen.

2. Kausalität

Unter dem Begriff Kausalität versteht man das Beziehungsverhältnis von Ursache und Wirkung.  Es ist, was wir im täglichen Leben erfahren, nämlich dass es für alle Ereignisse Ursachen gibt, geben wird oder gegeben hat. Selbst kleinste alltägliche Ereignisse und Sachverhalte haben Ursachen, über die wir gar nicht mehr nachdenken: Wenn ich mir die Hände waschen will, muss ich den Wasserhahn aufdrehen bzw. den Waschhebel betätigen: diese Handlung, zusammen mit dem Hebel, der Rohrleitung, dem Waschbecken, usw. sind die Ursache dafür, dass Wasser fließen und ich meine Hände waschen kann; das Glas Wasser und das Trinken des Wassers sind Ursache dafür, dass mein Durst gelöscht wird, und mein Durst ist wiederum die Ursache dafür, dass ich etwas trinke. Eine Ursache setzt sich daher aus zwei Bedingungen zusammen: Es muss ein Etwas geben  – den Durst, das Glas, das Wasser -, an dem man ansetzen kann, und es muss eine Handlung wie ‚trinken‘ oder ein Ereignis geben, die bzw. das an diesem Etwas ansetzen.

Das Ereignis, das wir daraufhin sehen oder erfahren, nennen wir Wirkung. Wenn ein Brand ausbricht, ein Flugzeug abstürzt, dann fragen wir nach der Ursache. Wenn ein Blitz in eine Haus einschlägt und das Haus daraufhin abbrennt, dann nennen wir den Blitzeinschlag die Ursache für das, was sich als Wirkung ergibt, nämlich das abgebrannte Haus.


Und auch bei ganz banalen Ereignissen, wenn beispielsweise eine Tasse zu Boden fällt, eine Topfpflanze die Blätter hängen lässt oder irgendwo ein Spaten umfällt wissen wir, dass es dafür eine Ursache geben muss, auch wenn wir nur die Wirkung erfahren.

Der Begriff Beziehungsverhältnis meint, wenn man von Ursache und Wirkung spricht: Die Ursache geht stets der Wirkung voraus. Den umgekehrten Vorgang, nämlich dass erst die Wirkung eintritt und dann die Ursache erscheint, kennen wir nicht und wir würden dies auch als völlig absurd bezeichnen.

 

Über die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung, das, was beide miteinander verknüpft, haben sich die Philosophen seit der Antike Gedanken gemacht. Der griechische Philosoph Aristoteles meinte, es gebe vier verschiedene Arten von Kausalität, die er Stoffursache, Formursache, Zweckursache und Wirkursache nannte. Er suchte nach einem ersten Anfang, nach der Ursache, mit der alles begann.  Im Laufe der Jahrhunderte wurden verschiedene Theorien zur Kausalität entwickelt. Die wohl bekannteste ist die des englischen Philosophen David Hume, der behauptete, wir lernen diese Beziehung durch die Erfahrung: Wir beobachten einen Vorgang, bei dem das eine Ereignis die Ursache, das andere die Wirkung ist. Der Zusammenhang zwischen wird mit der Beobachtung hergestellt.

Man hat versucht, diese Beziehung wissenschaftlich zu erfassen, indem man von einem Kausalitätsprinzip spricht, das besagt, dass nichts ohne Ursache geschieht. Wir kennen außerdem ein Kausalitätsgesetz, nach dem ähnliche Ursachen zu ähnlichen Wirkungen führen. Doch einen ‚Mechanismus‘, der diesem Zusammenhang zugrunde liegen könnte, den hat man bis heute nicht entdecken können. Was nicht bedeutet, dass es so etwas nicht gibt. Nur ist es kein Mechanismus, sondern ein Regelwerk, und überraschenderweise wird sich zeigen, dass zwischen dem, was als Kausalität, und dem, was als ADHS bezeichnet wird, eine Verbindung gibt, die beides erklärt: nämlich was es mit dem Einen (Kausalität) und was es mit dem Anderen (ADHS) auf sich hat und wie beide miteinander zusammenhängen.

Impressum

Verantwortlich für Webinhalt
Elisabeth Dägling
E-Mail: info@kausalitaet-und-adhs.de

Illustrationen
Marion Dägling
E-Mail: marion@madae.de

Konzeption und Produktion Web
mw ² >multidesignstudio
München
www.mw2.org

Haftungshinweis:

Trotz sorgfältiger Prüfung und ständiger Aktualisierung können wir keine Haftung für die auf dieser Webseite veröffentlichten Inhalte übernehmen. Dies gilt auch für die Seiten, die von dieser Seite aus verlinkt sind. Für deren Inhalt sind ausschließlich die Betreiber der Webseiten verantwortlich. Ebenso betrifft das Seiten, die mittels Link auf diese Seite verweisen. Des weiteren behalten wir uns das Recht vor, Änderungen oder Ergänzungen der hier bereitgestellten Informationen vorzunehmen.

Das Copyright der auf dieser Seite verwendeten Texte u. Illustrationen liegt bei E. Dägling. Das Verwenden der Texte ist nur nach Rücksprache möglich.