Hilfen für Eltern
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Hilfen für Eltern

Wenn Sie die Texte auf dieser ADHS-Seite gelesen haben, kennen Sie die Ursache des Verhaltens Ihres Kindes und wissen, dass es weder krank noch gestört ist. Darüber informiert zu sein, bedeutet jedoch nicht, dass Sie nun auch schon wissen, wie Sie mit dem anders gearteten, nicht normgerechten Verhalten Ihres Kindes  umgehen sollen.

Das Dilemma besteht darin, dass es noch keine Hilfen gibt und es sie auch nicht geben kann. Denn im Verhalten eine komplementäre Form des Erlebens und Seins zu sehen, diese Vorstellung ist weitestgehend unbekannt. Sie muss sich erst durchsetzen, was heißt, sie muss bekannt gemacht werden, damit sie untersucht und erforscht werden. Erst dann können geeignete Hilfen entwickelt werden. Wobei Hilfen dann eben nicht mehr heißt, das Verhalten des Kindes an die Norm anzupassen und seine Aufmerksamkeit dahingehend zu trainieren, dass es lernt, wie andere Kinder wahrzunehmen und zu denken. Hilfe heißt dann, Ihnen die Mittel an die Hand zu geben, wie Sie Ihr Kind in seiner Eigenart fördern und für ein Überleben in dieser Gesellschaft fit machen können.

Doch auch wenn es noch keine professionellen Hilfsangebote gibt,  lassen sich aus dem, was wir nun wissen, Tipps und Hinweise ableiten, die die Besonderheit dieser Kinder  berücksichtigen. Ich habe sie in vier Kategorien eingeteilt:

1.Regeln, 2. Zwecke, 3.Prozessdenken, 4.Aufmerksamkeit.

 

1.Regeln

Ampel

Es gibt viele verschiedene Regeln, z.B. Verkehrsregeln oder Rechenregeln wie: Summand + Summand = Summe

Funktionale Kinder – wir sollten sie ab jetzt so nennen und nicht mehr von ADHS sprechen – brauchen mehr und eine andere Art von Orientierung als prädikative, normgesteuerte Kinder, um sich in unserer Welt zurecht zu finden. Diese Orientierung müssen sie in erster Linie von den Eltern, bekommen. Orientierung heißt, die Kinder müssen von uns die „Spielregeln“ lernen, die in unserer Gesellschaft gelten. Regeln sind wichtig. Sie sind Orientierungshilfen für das Zusammenleben, sie sind aber auch Vorschriften für Vorgehens- und Verhaltensweisen. Wer gegen sie verstößt, wird ausgeschlossen. Deshalb müssen auch von funktionalen Kindern gelernt und sie müssen ihnen auf ihre Weise vermittelt werden, damit sie sie verstehen. Denn eine besondere Schwierigkeit dieser Kinder ist, dass sie nicht erkennen, wenn ihnen eine Regel vermittelt wird oder sie den Zweck der Regel nicht verstehen. Das hat zur Folge, dass sie die Regeln nicht befolgen (können).

Zum großen Teil werden die Spielregeln und Normen dieser Gesellschaft von der Mehrheit, also den prädikativen Menschen aufgestellt. Sie gelten aber für alle, also auch für uns und unsere Kinder.  Die meisten dieser Regeln sind nicht explizit aufgeschrieben, sie werden im jeweiligen Kontext aufgestellt und man lernt sie im Umgang mit anderen Menschen. Dazu drei Beispiele:

1) Ein Lehrer verteilt Arbeitsblätter für eine Extemporale an die Schüler. Leon schreibt das Datum und seinen Namen auf das Blatt. Der Lehrer nimmt ihm das Arbeitsblatt ab, gibt ihm die Note 6 mit der Begründung: die Regel lautet, alle fangen gemeinsam an, Leon habe aber schon gleich angefangen und sich dadurch einen Vorteil verschaffen wollen. Leon widerspricht: er habe nicht angefangen, sondern nur seinen Namen und das Datum hingeschrieben, anfangen heiße, man fängt bereits mit der Bearbeitung der ersten Aufgabe an. Der Lehrer erklärt, dass auch das Hinschreiben dieser Daten zum Anfangen gehöre. Es folgt eine hitzige Debatte, die damit endet, dass der Lehrer bei seiner Haltung bleibt und Leon fortan jede Unterrichtsstunde dieses Lehrers massiv stört.

2) Jonas ist traurig, weil er nicht mehr mitspielen darf, und er versteht nicht warum. Die anderen Kinder spielen miteinander und haben untereinander die Regeln ausgemacht. Anfangs durfte Jonas mitspielen, aber ihm fiel während des Spiels immer wieder etwas neues ein, wie man das auch noch machen könnte und er hielt sich auch nicht an die ausgemachten Regeln. Die anderen Kinder fühlten sich gestört, waren genervt und schließen ihn seitdem meist aus ihren Spielen aus.

3) Anna wird als Erstklässlerin wiederholt von der Lehrerin ermahnt und ist schon nach wenigen Wochen total verunsichert, weil sie nicht weiß, was sie falsch macht. Der Mutter sagt die Lehrerin, Anna halte sich nicht an die Regeln. Die Mutter fragt Anna daheim nach den Regel: sie weiß von keinen Regeln und sie weiß auch nicht, was gemeint ist. Als die Mutter dies der Lehrerin mitteilt, ist diese überrascht, denn sie hat sie den Kindern zu Beginn mehrfach erklärt, und alle anderen Kinder hätten sie verstanden.

Im ersten Fall war die Regel nicht klar formuliert worden: was ist genau mit „anfangen“ gemeint, was gehört dazu und was nicht. In diesem wie auch im dritten Fall aber fehlte das Wichtigste, die Begründung der Regel: Was wird mit ihr bezweckt, weshalb man sie beachten muss? Im zweiten Fall gelingt es Jonas nicht, sich an die Regeln zu halten, weil er ja die immer wieder neuen Spielarten eines Spieles braucht, um aus ihren unterschiedlichen Abläufen und Ergebnissen zu lernen. Die anderen Kinder dagegen müssen aus der Befolgung und Wiederholung der Regeln im Spiel lernen, wie man dadurch zu dem gewünschten Ergebnis kommt.

Rechnen Sie damit, dass Ihr Kind auch nach der Erklärung einer Regel und ihres Zwecks, dieser trotzdem zuwider handelt – es muss ja auch ausprobieren, ob die Regel gilt, es hat ‚triftige‘ Gründe, sich nicht daran zu halten oder es hat sie in dem Moment vergessen -, und dass es mit ihnen darüber streitet, weil es sie nicht einsehen kann oder will.

 

2. Zwecke

Wieso, weshalb, warum, wozu?“

Das A und O im Umgang mit uns und unseren Kindern ist die Kenntnis der Zwecke. Wissen wir, worum es geht, welchen Zweck eine Sache hat, gibt es weder Verständnis- noch Aufmerksamkeitsprobleme. Orientierungshilfe für das Kind besteht darin, ihm den Zweck einer Anweisung, einer Aktion, einer Maßnahme mitzuteilen. Wenn es ihn kennt, kann es die Anweisung umsetzen bzw. verstehen, worum es geht.. Im Übrigen gilt, je älter man wird, umso sicherer wird man durch die Erfahrungen, die man in seiner Kindheit und Jugend macht, weshalb man einen Zweck oft schon erkennt, ohne dass er genannt werden muss.

Sie helfen Ihrem Kind,  wenn Sie es anweisen oder auffordern, z. B. etwas zu holen oder etwas Bestimmtes zu tun, und Sie nicht sagen:

„Hol mal bitte… „ oder „Bring mir mal…“ oder „ Hier ist… das muss gemacht werden …“ ,

Sagen Sie stattdessen:

„Hol mal bitte… das brauchen wir für …“ oder  „Bring mir mal …, das ist dafür…“ oder: „Hier ist… , das ist für / das soll..werden / weil …“

Ein Beispiel, wie man es nicht machen soll, finden Sie auf dieser ADHS-Seite am Ende des Beitrags: „ADHS-was und anders macht“ unter der Überschrift: „Die Tragik der falschen Maßnahmen“. In diesem Beispiel erklärt ein Lehrer den Schülern, was sie tun sollen – aber er erklärt es auf die für funktionale Kinder falsche Art.

Als „normal“ gilt, einem Kind, das eine Tätigkeit erlernen soll, zu zeigen, wie es etwas machen soll. Man erklärt also die richtige Vorgehensweise oder den richtigen Lösungsweg und lässt das Kind diese Tätigkeit einüben. Bei funktionalen Kindern greift diese Methode nicht! Weshalb sie fragen. „Soll ich jetzt..?“ oder „Was sollen wir denn machen?“ Oftmals hat ein Kind die Aufforderung gar nicht aufnehmen können, weil sie in dieser Weise nicht in den Kopf kommt. Es wird zwar dennoch gerade den lebhaften Kindern passieren, dass sie meinen, schon ganz schnell begriffen zu haben, was sie tun sollen – Stichwort Impulsivität. Weshalb meist etwas schief geht. Der Grund liegt dann darin, dass das Kind einen falschen Zweck vermutet hat.

Statt also zu erklären, was das Kind tun soll, muss man es ihm entweder vormachen, so dass es den Vorgang beobachten kann. Oder man sagt ihm, worum es geht.

Dazu wieder zwei Beispiele:

1)Ein ADHS-diagnostizierter Schüler war in der Flötengruppe der Schule angemeldet. Im Unterschied zu den anderen Kindern beteiligte er sich jedoch nicht am Flötenunterricht, und er übte daheim auch nicht. So konnte er schon nach kurzer Zeit nicht mehr mithalten. Er durfte aber weiterhin an den Flötenkursen teilnehmen, denn er störte den Unterricht nicht. Doch er sah und hörte nur zu. Nach einigen Wochen verteilte die Lehrerin an die übrigen Schüler Notenblätter mit dem Hinweis, dieses Stück solle für eine Schulaufführung geübt werde. Der Bub wollte ebenfalls ein Blatt haben, welches sie ihm zunächst mit dem Hinweis verweigerte, er habe sich am Unterricht nicht beteiligt, er könne das auch nicht mehr nachholen. Da er jedoch weiterhin darum bat, bekam er schließlich sein Notenblatt. Zur Überraschung der Lehrerin zeigte sich in den wenigen Unterrichtsstunden bis zur Aufführung, dass er binnen kürzester Zeit alles aufgeholt hatte, was die anderen Kinder wochenlang hatten üben müssen. Nicht der Unterricht und auch nicht das Üben hatten den Jungen dazu gebracht, Flöte zu üben, so dass er an der Aufführung  teilnehmen konnte. Erst die Einsicht in diesen Zweck des Flötenunterrichts hatte ihn dazu gebracht, zu üben.

2) Mark steht kurz davor, erneut eine Lehrstelle zu verlieren. Seine Schwierigkeiten beschreibt er am Beispiel einer Arbeitsanweisung seines Meisters: Er sollte anhand der Maße, die er erhalten hatte, eine Werkzeichnung anfertigen. Andere Lehrlinge stellt eine solche Anweisung nicht vor Probleme. Mark aber hat keinen Plan, was er tun soll, und er kann seine Schwierigkeiten auch nicht artikulieren. Wegen seiner Verständnisschwierigkeiten schätzt man ihn im Betrieb als schwach begabt ein. Erst als er den Mut findet, zu fragen, was das für ein Gegenstand werden soll, erhält er eine Vorstellung und kann die Werkzeichnung problemlos anfertigen.

 

3. Prozessdenken

Prozess

Prädikative Kinder beachten, funktionale Kinder beobachten. Das bedeutet, dass sie auch in dieser Art spielen, um zu lernen und Erfahrungen zu sammeln. Funktionale Kinder lernen, indem sie entweder Prozesse in Gang setzen, um aus deren Ablauf zu lernen, was passiert und welche Wirkungen sich ergeben. Und / oder sie lernen, indem sie Prozesse beobachten. Wenn also in ihrer Umgebung nicht viel passiert, sorgen die lebhaften funktionalen Kinder dafür, dass etwas passiert: sie setzen Prozesse in Gang, spielen laut und lebhaft, wechseln übergangslos von einem Prozessgeschehen zum nächsten. Die ruhigen funktionalen Kinder initiieren weniger und nur kleinere Prozesse, bei denen nicht so viel passiert. Aber sie beobachten Prozesse und wiederholen sie gedanklich, bis sie sie verstanden haben.

Ein Prozess ist für prädikative Menschen eine Folge einzelner Zustände, vergleichbar einem Zeichentrickfilm, bei dem der Eindruck von Bewegung dadurch zustande kommt, dass die einzelnen Bilder schnell hintereinander abgespielt werden.

Für funktionale Kinder dagegen ist ein Prozess eine Einheit, die man nicht unterbrechen kann, ohne den gesamten Prozess zu zerstören. Die Kinder erfahren oder erleben durch die Unterbrechung das Ergebnis des Prozesses nicht mehr, weshalb der angefangene Prozess für sie sinn- und nutzlos wird. Deshalb machen sie auch viel mehr Theater, wenn sie ihr Spiel abbrechen oder im Unterricht eine Aufgabe, die sie begonnen haben, daheim fertigmachen sollen. Für prädikative Kinder werden diese „Prozesse“ an einer bestimmten Stelle, einem bestimmten Zustand abgebrochen, an dem sie später ansetzen und weitermachen können. Funktionale Kinder müssen dagegen noch einmal ganz von vorn anfangen. Dass sie das nicht erfreut, ist klar.

Das ist auch der Grund, weshalb Ihr Kind nicht hört, wenn es gerade spielt und Sie ihm nun sagen, was es tun soll: es leidet nicht an einer Störung der Aufmerksamkeit, sondern Sie stören einen Prozess, den es nicht abbrechen kann, ohne dass er zerstört wird.

Ein paar Tipps:

2.1 Erklären Sie Ihrem Kind nicht langatmig, wie es etwas machen soll. Sagen Sie ihm, wie welches Ergebnis Sie erwarten bzw. was herauskommen soll, und geben Sie ein paar Hinweise zur Vorgehensweise. Nur wenn das Kind nachfragt, erhält es weitere Hinweise.

2.2 Lassen Sie Ihr Kind Dinge ausprobieren und greifen Sie nicht gleich ein, wenn es nicht unbedingt notwendig ist. Das Kind muss viele Dinge einfach nur anfassen, um ein gefühl für sie zu bekommen.

2.3 Unterbrechen Sie es nicht schon deshalb, um ihm zu zeigen, wie es eine Sache „richtig“ machen soll. Das Kind lernt aus seinen Fehlern

– falsche Wege auszuschließen

– die  Folgen, die sich daraus ergeben, und es achtet bei bei künftigen Aufgaben darauf, sie  nicht zu wiederholen

–  welche Folgen falsche Wege und falsche Vorgehensweisen haben werden. Entscheidend dabei ist, was dem Kind davon für später in Erinnerung bleibt, nämlich bereits zu Beginn einer Situation die Ähnlichkeiten der Abläufe oder Prozesse mit solchen früheren Erfahrungen feststellen und vergleichen zu können – und die Folgen von Entscheidungen vorhersehen zu können.

2.3 Lassen Sie Ihr Kind Dinge erkunden. Dazu muss es sie mitunter auseinander nehmen, um zu schauen, wie sie funktionieren. Wenn es etwas angestellt hat, lassen Sie es mithelfen, wieder alles in Ordnung zu bringen; es muss die Konsequenzen erfahren, die sich aus seinem Handeln ergeben. Dazu gehört, für sein Handeln einzustehen und Schäden wieder in Ordnung zu bringen.

2.4Lassen Sie Ihr Kind nach Möglichkeit eine Sache, die es begonnen hat, zu Ende bringen. Teilen Sie ihm mit, wenn es in den nächsten Minuten zum Essen kommen, mit zum Einkaufen gehen oder eine andere Unternehmung mitmachen soll, und zwar bevor es mit einer Sache beginnt. Und sagen Sie es deutlich, dass es sonst mittendrin aufhören muss, weshalb es besser gar nicht erst anfängt. Es wird sich nicht vermeiden lassen, dass es trotzdem zu Ärger oder Unterbrechungen kommt. Versuchen Sie dann gelassen zu reagieren, denn Sie wissen, warum Ihr Kind sich so verhält: es wird gerade daran gehindert, etwas Wichtiges zu lernen. Und dass es lernen will, ist doch etwas sehr Positives, oder?

 

4. Aufmerksamkeit

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Beim Prozessdenken richtet sich die Aufmerksamkeit nicht auf Details und  die Art ihrer Beziehungen. Sie richtet sich auf Prozesse und ihre Wirkungen. Sagen Sie deshalb nicht: „Jetzt schau halt genau hin“, sondern zeigen Sie ihm, worauf es achten soll.

Am Beispiel der obigen Aufgabe[1], die auf prädikative und auf funktionale Weise gelöst werden kann, lässt sich demonstrieren, worauf gezeigt werden soll: Es kommt darauf an, worauf sich die Aufmerksamkeit richtet. Die Aufgabe zeigt acht Symbole, das neunte, das die anderen logisch ergänzt, soll in die leere Stelle rechts unten eingetragen werden.

Prädikativ lässt sich die Aufgabe lösen, indem man darauf achtet, dass jedes Symbol vier Punkte hat. In jeder Reihe sind Boden und Deckel des Symbols gleich, die Wände sind jedes Mal verschieden. Schaut man spaltenweise, sind die Wände der drei Symbole in jeder Spalte gleich, dafür sind Deckel und Boden verschieden. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf unbewegliche Details (Punkte, gerade und gebogene Linien)

Löst man die Aufgabe funktional, dann sieht man, dass in jeder Zeile die Wände erst nach innen gedrückt und dann nach außengezogen werden. Boden und Deckel verändern sich nicht. Schaut man spaltenweise, werden Boden und Deckel erst  nach innen gedrückt und dann nach außen gezogen. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf Prozesse und Bewegungen(nach innen und außen drücken oder ziehen)

Die meisten Dinge, für die Aufmerksamkeit verlangt wird, erfordern die prädikative Art der Aufmerksamkeit, weshalb Ihr Kind sie tatsächlich nicht mitbekommt, sie also übersieht oder überhört. Dagegen übersehen prädikative Kinder und Erwachsene Details, die Prozesse, Abläufe oder Bewegungen erkennen lassen. Diese Form der Aufmerksamkeit ist bisher nicht bekannt, weshalb sie als Unaufmerksamkeit beurteilt wird.  Gefordert wird eine Aufmerksamkeit, die sich auf statische Einzelheiten richtet und auf die Beziehung zwischen diesen Einzelheiten. Dass bei dieser Form der Aufmerksamkeit wesentliche Dinge nicht ins Blickfeld geraten, fällt nicht auf oder gilt als unwesentlich.

 

Ein funktionales Kind bekommt nebenbei alles Mögliche mit, auch wenn es mit einer ganz anderen Sache beschäftigt zu sein scheint. Und es überrascht seine Umgebung damit, dass es in einer ganz anderen Situation oder Tage später damit herausplatzt – mitunter sehr zur Pein seiner Eltern. Dieses „Etwas nebenher mitbekommen“ ist eine Gabe: Ihr Kind lernt auf diese Weise, größere Zusammenhänge herzustellen, Sachverhalte miteinander in Verbindung zu bringen, deren Zusammenhang Anderen  gar nicht auffällt. Und es lernt, wann es Zusammenhänge richtig erfasst hat und wann nicht. Für das spätere Leben ist das ein unschätzbarer Vorteil. Denn man hat einen Schatz an Erfahrungen gesammelt, auf den man zugreifen kann, wenn Situationen eintreten, bei denen es darauf ankommt, die richtigen Entscheidungen zu treffen und auch solche Aspekte nicht zu übersehen, die mit der Situation und dem Problem, das man lösen möchte, nichts zu tun zu haben scheinen.

 

Und zum Schluss:

Gleiche Abläufe im Alltag sind Hilfen zur Orientierung. Je weniger strukturiert der Alltag abläuft, umso verwirrter wird das Kind reagieren und umso unruhiger und nervöser wird es sich verhalten. Deshalb sollten bestimmte alltägliche Ereignisse, also die Mahlzeiten oder der Zeitpunkt, um ins Bett zu gehen, usw. und Tätigkeiten wie die Erledigung der Hausaufgaben oder die Stunden, in denen das Kind ungestört spielen kann,  möglichst immer zur selben Zeit stattfinden. Das gilt auch für Aktivitäten, die regelmäßig stattfinden, wie: Montags ist (Sport, Mal- oder Flötenkurs usw.)… Mittwochs (Spiele-Nachmittag) … Samstags ist (gemeinsames Einkaufen oder Kuchen backen ..) .. abends (vor dem Zubettgehen Geschichte vorlesen oder erzählen).

 

[1] Aus den „Qua-DIPF“-Aufgaben, mit freundlicher Genehmigung von Frau Prof. Dr. Inge Schwank

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