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Wie arbeitet das Gehirn?

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Vor rund 250 Jahren schrieb Immanuel Kant in seiner „Kritik der reinen Vernunft“: „In der Tat liegen unseren reinen sinnlichen Begriffen nicht Bilder der Gegenstände, sondern Schemata zum Grunde […].Dieser Schematismus unseres Verstandes in Ansehung der Erscheinungen und ihrer bloßen Form, ist eine verborgene Kunst in den Tiefen der menschlichen Seele, deren wahre Handgriffe wir der Natur schwerlich jemals abraten, und sie unverdeckt vor Augen legen werden.“(B 180f.)
Die Aussage Kants hätte man dahingehend auslegen können, dass alle weiterführenden Bemühungen, zu einem Verständnis darüber zu gelangen, wie wir zu einem Erkennen und Verstehen der Wirklichkeit kommen und welche Aufgabe dabei das Gehirn mit seiner Arbeitsweise erfüllt, letztendlich aussichtslos bleiben müssen.
Auch das „Ignorabimus“ (zu deutsch: Wir werden es nichts wissen) des Physiologen Emile Du Bois-Reymond, das er anlässlich einer Tagung der Naturforscher und Mediziner im Jahre 1872 behauptete, scheint diese Annahme zu unterstreichen. Denn mit ihm drückte er seine Zweifel daran aus, dass den Naturwissenschaften je gelingen könne, das Verhältnis von Bewusstseinszuständen zu ihren materiellen Voraussetzungen zu klären.

Trotz dieser scheinbaren Aussichtslosigkeit des Unterfangens haben wir, hat der Mensch nicht aufgehört in dem Bemühen, mehr über das Gehirn und die in ihm ablaufenden Prozesse zu erfahren. Wir wollen verstehen, weshalb wir uns als bewusst handelnde, denkende und fühlende Wesen erleben.

Inzwischen scheint es nun, als wären wir einem Verständnis der Funktionsweise des menschlichen Gehirns zum Greifen nahe. Eine Vielzahl wissenschaftlicher Disziplinen widmen sich der Erforschung dieses Organs als der vermutlich komplexesten Struktur, welche die Evolution hervorgebracht hat. Wissenschaftliche Disziplinen wie die Kognitions- und Neurowissenschaften versuchen die Ursachen der Erkennungs- und Bewusstwerdungsprozesse zu eruieren. Vor allem die empirische Forschung in den letzten Jahrzehnten hat zu einer solchen Fülle an Erkenntnissen beigetragen, dass es nicht mehr möglich ist, alle daraus abgeleiteten Theorien „unter einen Hut“ zu bringen. Die Menge an Einzelergebnissen, die in ihrer Gesamtheit zu einem Verständnis des menschlichen Denkens führen soll, ist unüberschaubar geworden. Sie hat durch eben den Zwang zur Spezialisierung trotz aller interdisziplinären Bemühungen dazu geführt, dass eine Zusammenschau nicht mehr möglich ist.

Haben sich die Wissenschaften mit dieser Vorgehensweise den Weg zu einem Verständnis nun endgültig verlegt? Wissenschaftler verneinen das und fordern eine verstärkte interdisziplinäre Zusammenarbeit. Doch den Schlüssel zur Lösung liefert auch die  interdisziplinäre Zusammenarbeit nicht. Der Grund, weshalb alle Bemühungen bisher nicht von Erfolg gekrönt sind, ist die Präferenz für die derzeitige naturwissenschaftliche Vorgehensweise:  Sie setzt ausschließlich auf das Experiment als einzig möglichen Zugang zum Erkenntnisgewinn. Das Problem dabei ist: Die experimentelle Vorgehensweise setzt voraus, dass man bereits eine Hypothese, eine Fragestellung hat, die sich experimentell untersuchen lässt. Doch wenn es um das Verständnis der Arbeitsweise des Gehirns geht, wie soll die Hypothese lauten, die man untersuchen will?

Ganz abgesehen von einer fehlenden Hypothese liegt das eigentliche Problem darin, dass man die Kenntnis der Regeln benötigt, nach denen das Gehirn arbeitet. Regeln aber gehören zu den Methoden, die man anwendet. Man kann sie weder als Hypothese setzen, um sie zu untersuchen, noch wird man sie als Ergebnis erhalten. Sie können zwar aus dem Ergebnis eines Experiments abgeleitet werden, aber dazu benötigt man erst einmal dieses Experiment und die Hypothese, um es durchzuführen.
Mit einem Experiment kann man jeweils nur einen bestimmten Ausschnitt aus dem Gesamtspektrum der Arbeitsweise des menschlichen Gehirns untersuchen, was man derzeit auch tut. Und so untersucht man beispielsweise die Struktur und die Verbindungen eines kleinen Neuronen-Netzwerks und sucht nach mathematischen Gesetzen, die die Verbindung zwischen dieser Hirnstruktur und ihrer Funktion beschreiben.

Auf diese Weise aber ist ein Verständnis der Arbeitsweise des Gehirns nicht zu erhalten. Denn selbst wenn man diese mathematische Beschreibung hat, weiß man damit noch nicht, wie das Gehirn arbeitet und wie wir durch diese Arbeitsweise zu unserem Wissen über die Welt kommen. Da die Naturwissenschaften sich jedoch auf die experimentelle Art zu forschen festgelegt haben, die Natur also ausschließlich unter diesem Blickwinkel betrachtet und untersucht wird, besteht für die nächsten Jahrzehnte keinerlei Aussicht, dass sich innerhalb der Wissenschaften daran etwas ändert.

Doch in der Geschichte der Wissenschaften waren es nicht nur Wissenschaftler, sondern auch immer wieder Außenseiter, welche einen neuen Gedanken, eine neue Idee in die Welt brachten. Mit den Mitteln und Methoden der orthodoxen Wissenschaften sind diese Ideen jedoch nicht hervorgebracht worden, weshalb sie als unwissenschaftlich verpönt sind, zumal sich nicht untersuchen lässt, wie derjenige auf diese Idee gekommen ist.

Nun wird aber von wissenschaftlicher Seite allerdings auch bestritten, dass angesichts des heutigen wissenschaftlichen Standards von einem Außenseiter, einem Dilettanten,  eine solche Leistung noch erbracht werden kann. Stattdessen erklärt man, dass neue Ideen nur noch durch interdisziplinäre Zusammenarbeit entstehen könnten. Diese Behauptung  klingt überzeugend, trifft aber nicht zu. Denn eine Idee, auch eine neuartige,  kann immer nur in einem Kopf entstehen. Sie ist nicht das Produkt einer Zusammensetzung aus einer Vielzahl kleiner Theorien, die wie Puzzleteile irgendwann als fertiges Puzzle die neue Theorie ergeben. In aller Regel handelt es sich um einen neuen, ungewöhnlichen Gedanken, der so noch nie gedacht worden ist. Dieser kann zwar unabhängig zur selben Zeit von mehreren Leuten gedacht werden, aber ein Gemeinschaftsprodukt ist er nicht. Er entsteht auch nicht aus dem Nichts, sondern beruht auf Kenntnissen und Theorien, die schon zuvor von Anderen erworben und erdacht worden sind.
Um einen solchen neuen Gedanken, um eine Theorie zur Arbeitsweise des menschlichen Gehirns und zur Ursache der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung geht es auf dieser Website.

Kausalität und ADHS Blog

  • At 17:10
    Was nicht sein kann, weil’s nicht sein darf

    Eine Zeit lang wurde ich wiederholt gefragt, weshalb sich nicht verbreiten und bekannt machen lässt, dass ADHS keine Krankheit, sondern eine dem normalen Denken und Verhalten komplementäre Art sei. Meine Antwort, dass die Zeit dafür noch nicht reif sei, wurde mir entweder nicht abgenommen oder bestritten: Wenn doch  seit Jahren nach der Ursache der ADHS geforscht wird, wenn Eltern, Lehrer, Ärzte und viele Andere auf die Lösung des Problems warten – wie kann dann die Zeit für sie nicht reif sein? Das klingt doch absurd! Also, sagten sich viele Leute, ist an der Sache wahrscheinlich nichts dran. Doch so einfach ist es nicht. Fragen wir mal anders herum: In welcher Zeit leben wir? Darauf gibt es viele Antworten, die für unseren Fall hilfreichste ist aber diese: Wir leben in einer Zeit, in der alle Menschen gleich sind bzw. als gleich behandelt werden; in der alle Menschen die gleichen Rechte haben

  • At 16:31
    Geschlechter

    Wir gehören zu einer Minderheit der Menschen, die allerdings gar nicht so minder ist. Denn das, was mit ADHS bezeichnet wird, ist eine extreme Ausprägung einer Existenzweise. 1986 stellte die Mathematikdidaktikerin Inge Schwank ihre Theorie der „prädikativen vs. funktionalen Art logischen Denkens“ vor. Hinter dem etwas schwierigen Titel verbirgt sich das Ergebnis einer Reihe von Studien, in denen Schwank und ihre Kollegen herausgefunden haben, was sie bezeichnen als „die Welt durch eine Brille sehen“. Die Brille, die alle Menschen tragen, prägt unsere Wahrnehmung, unsere Art zu denken und unsere Art zu erleben. Allerdings haben wir nicht alle dieselbe Brille auf, sondern es gibt zwei verschiedene Brillen. Die Mehrheit der Menschen verwendet die prädikative, und eine Minderheit die funktionale Brille. Wie muss man sich das nun vorstellen, was „macht“ diese Brille, und inwiefern prägt sie unser Denken und Erleben? Vor einigen Jahren sprach man davon, dass ADHS eine Störung der Informationsverarbeitungsprozesse

  • At 18:02
    Was ist eigentlich Kausalität?

    Kausalität ist der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung. Man sollte meinen, das weiß doch (fast) jeder. Wo also ist das Problem? Das Problem liegt darin, dass man – d.h. die Wissenschaft – nicht weiß, wie es zu diesem Zusammenhang kommt: Wie sieht die Beziehung aus, die zwischen Ursache und Wirkung besteht? Determiniert die Handlung die Wirkung, bzw. legt die eine die andere fest? Wieso denken Menschen überhaupt in Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen, wieso erleben wir die Welt als kausal geschlossen? Was bewirkt, dass wir nach Ursachen suchen, um eine erfolgte Wirkung zu erklären? Wie könnte eine Welt aussehen, in der es keine Kausalität gibt ? Diese und ähnliche Fragen beschäftigen Philosophen, Mathematiker, Physiker und andere Wissenschaftler seit der Antike bis heute, aber eine befriedigende Antwort gibt es bisher nicht. Im 18. Jahrhundert widersprach der Philosoph David Hume seinen Kollegen, die meinten, eine unsichtbare Kraft sei der Grund, weshalb auf die Ursache eine Wirkung

  • At 16:09
    Perspektivenwechsel

    Wer sich über einen längeren Zeitraum hinweg mit ADHS beschäftigt hat, dem dürfte inzwischen aufgefallen sein, dass sich seit geraumer Zeit nichts Neues auf diesem Gebiet mehr tut. Seit fast zwei Jahrzehnten tritt die Ursachenforschung auf der Stelle. Allenfalls kleinere Details, die die bekannten Annahmen stützen, werden hin undwieder veröffentlicht. Ähnlich sieht es aus, wenn es um die Behandlung geht: Nach wie vor streiten sich die Fachleute, welche Therapie denn nun die richtige ist, die multimodale, die auch die Vergabe von Methylphenidathydrochlorid einschließt, oder eher doch die verhaltenstherapeutische bzw. psychoanalytische Behandlung? Der Anlass für diese Auseinandersetzungen ist die fehlende Kenntnis der Ursache, und der Grund für die Erfolglosigkeit bei der Ursachensuche ist, dass man nach der Ursache einer Störung bzw. Krankheit sucht. Sicher, man weiß inzwischen, dass eine Neurotransmitteranomalie vorliegt – deshalb wirken Ritalin & Co ja auch, weil sie die Dichte der Dopamintransporter reduzieren. Nur: was verursacht diese Neurotransmitteranomalie?

  • At 14:50
    Probleme und Lösungen

    Manchmal, wenn man die Lösung für ein Problem gefunden hat, fragt man sich, wieso das eigentlich so schwierig war. Meist lag sie einem doch schon vor der Nase, aber man hat sie nicht gesehen. Von dieser besonderen Art von Blindheit ist auch die Wissenschaft nicht ausgenommen, im Gegenteil. Was nicht nur daran liegt, dass ihre Probleme schwieriger sind und die Lösungen deshalb eben doch nicht immer so nahe liegen. Denn mitunter ist es gerade die Nähe, die sich als Hindernis erweist. Der Physiker Thomas Fischbacher schrieb einmal: „Es gibt Beobachtungen, die so tief in unserer Alltagserfahrung verwurzelt sind, dass es als große Leistung angesehen werden muss, überhaupt erst den Gedanken formulieren zu können, dass es sich hierbei nicht um Selbstverständlichkeiten handelt …“* Um eben dieses Problem handelt es sich auch bei den beiden Phänomenen im Titel dieser Webseite: Kausalität und ADHS. In beiden Fällen hat man die Lösung des Problems,

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