Briefwechsel
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Auszüge aus Briefwechseln

Studien

Lieber Herr Dr. Tisdale,

ich habe mit Herrn Prof. Spitzer gesprochen: Er ist der Meinung, es IST eine KRANKHEIT!!!, wie Bluthochdruck meinte er. Es hätte mich auch gewundert, wenn ein Psychiater anderer Ansicht wäre. Immerhin, er sagt, er sei auch offen für andere Meinungen. Schaun wir mal.

Was die Studie angeht – ich habe zehn Schulen im nördlichen Landkreis über das Schulamt angeschrieben: Drei weitere haben angerufen und gefragt, wieso ich sie nicht einbezogen habe, das Problem brennt schließlich allen auf den Nägeln und nun passiert endlich mal was und dann werden sie ausgeschlossen. Ich Dödel habe es auch noch in die Zeitung setzen lassen, nun tanzt bei mir ebenfalls der Bär. Von meinem Kolleginnen in der Familienhilfe habe ich Schelte bekommen, weil ich zwei Familien mit Heranwachsenden Ritalin empfohlen habe – die Jugendlichen stehen schulisch auf der Kippe, können auch nicht mehr wiederholen. Ich habe gefragt, was ich denn tun soll? Solange ich das Schul- und Gesellschaftssystem nicht ändern kann – und so lange das Ganze auf „Vermutungen“ beruht, wie man mir freundlich lächelnd sagte,  kann ich es nicht ändern – muss ich die Menschen dem System anpassen, damit sie es überleben. Woraufhin einige meinten, ja schon, aber doch nicht Ritalin.- Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass.

In diesem Sinne eine schöne Woche und fröhliche Grüße

Ihre Elisabeth Dägling

 

Lieber Herr Dr. Tisdale,

ich hoffe, Sie haben den Drescher inzwischen bekommen – ich warte auf MGP immer noch, das Buch scheint stark frequentiert zu sein. Schaub habe ich durch – obwohl er sich mit der Planung von Handlung bzw. Handeln als solchem auseinandersetzt, war es zur Begriffsklärung hilfreich und interessant. Ich habe mich danach mal hingesetzt und den Versuch gestartet zu formulieren, wie eine mögliche Theorie meiner Idee aussehen könnte – und nun kommt`s: Darf ich Ihnen das mal zum Lesen zuschicken? Was die wissenschaftlich präzise Ausarbeitung anbelangt sind Sie von mir ja schon Kummer gewöhnt, da wird sich, fürchte ich, auch nicht so viel ändern lassen, aber ich bemühe mich. Ein einfaches „ja“ oder „verschonen Sie mich“ reicht. Was ich bei „ja“ danach wissen möchte ist:

– wie formuliert man das so – als Theorie -, dass von Wissenschaftlern verstanden wir, was ich meine;

– wenn ich meine These (ADS-Personen brauchen das Ziel im Bedingungsteil) als Variable  empirisch untersuchen will, wie muss die Fragestellung aussehen und wie muss so ein Experiment angelegt sein um Geltung zu besitzen?

– Können Sie und ich gemeinsam sowas hinbekommen?

Für die momentan angeleierte Untersuchung braucht Frau Schwank 24 diagnostizierte Kinder, ich habe an die 40; alles Eltern, die mich angerufen haben aufgrund des Artikels, die Rückmeldungen der Schule stehen noch aus – eine Schule meinte, sie sei in der Lage allein die geforderte Anzahl zusammen zu bringen. Ich weiß noch gar nicht, wie ich den Leuten, Eltern wie Lehrer beibringen soll, dass ich nur eine begrenzte Anzahl brauche und nicht alle mitmachen können und dass auch danach noch lange nicht mit irgendwelchen Auswirkungen zu rechnen sein wird. Es tut mir so leid, so viel an Hoffnung und Erwartung enttäuschen zu müssen. Ich würde Ihnen so gerne sagen „hängen Sie sich mit dran“, denn die Kinder habe ich. Vielleicht lässt sich was kombinieren aus meiner obigen Bitte samt Fragen und der Tatsache, dass wir Interessenten für eine Untersuchung haben – allerdings nicht vor der Sommerpause und dann müssen noch so profane Fragen wie Finanzierung und Organisation usw. geklärt werden. Und auch wenn ich manchmal „omnipotent angemutet“ bin, weiß ich doch, dass mir Grenzen gesetzt sind: Gestern und vorgestern habe ich die Flucht ergriffen und bin zu meiner Tochter und den Enkelkindern gefahren, ich konnte keinen weiteren Anruf mehr ertragen – die Leute sind so froh, wen gefunden zu haben der ihr Leid kennt und etwas tun will – ich bekomme Sachen zu hören, ich möchte nur noch heulen. Liegt wohl daran, dass mir das mittlere Maß fehlt.

Viele Grüße und nicht sauer sein, wenn ich Sie mit solchen mails zutexte – ich habe meinem Herzen Luft machen müssen,

 

Ihre Elisabeth Dägling

 

Liebe Frau Dägling,

schicken Sie mir Ihren Entwurf einfach zu, ich werde mal sehen,

was ich (zeitlich) noch vor Semesterbeginn machen kann. Über

das Anhängen (zwecks) Versuchspersonen sollten wir mal reden.

Lassen Sie sich nicht unterkriegen!

Gruss Tim Tisdale

 

 

 

Lieber Herr Dr. Tisdale,

nur kurz: ich habe mich an die „Verbesserungen“ begeben, es ist allerdings eine sehr aufwändige Angelegenheit und ich  schwimme! Zu den Belegen und Beobachtungen möchte ich auch von Schwank etwas mit hinein nehmen, weil ich darauf aufbauen kann, da die bereits untersucht worden sind. Geht das? Da muss ich nämlich nur noch fragen, welche Mechanismen ursächlich für entweder die eine oder die andere Art des Denkens sind. Und wenn die Studie ausgeht, wie ich es annehme, dann kann ich meine Beobachtungen – unter Vorbehalt weiterer ausstehender Studien – mit hinein nehmen, ohne noch zuvor eine Untersuchung des Denkstiles von ADS-Kindern machen zu müssen, oder?

Ich hoffe, Sie nehmen mir nicht übel, dass ich Ihren Vorschlag des Kontinuums nicht annehmen mag – aber diese Version gibt es schon, sowohl von Russell Barkley, der davon spricht, dass ADS-Personen an dem einen Ende angesiedelt sind, das negativ geprägt ist als auch von Jeffrey Freed, der – oh Schreck und Graus – von „right-brained children in a left-brained world“ spricht – klingt nach Kinesiologie, finden Sie nicht?-, als jeweilige Ausprägungen des Gehirnkontinuums. Das bringt -so meine ich – deshalb nicht weiter und eröffnet keine weiteren Freiheitsgrade – im Gegensatz zur Annahme, es gebe zwei eigenständige Gehirne. Warum bereitet diese Vorstellung Schwierigkeiten? Ich finde, Darwins Evolutionstheorie war zu ihrer Zeit viel revolutionärer. Oder gibt es irgendein Faktum, das dagegen spricht und das ich nicht kenne? Ich werde in jedem Fall Frau Schwank noch mal fragen, wovon sie ausgeht,okay?

Übrigens haben wir das Geld für die Studie zusammen – wir haben mal geschätzt, dass wir 5000 Euro brauchen. Vielleicht brauchen wir nicht alles, aber da wir es für diesen Zweck verwenden müssen, bleibt vielleicht etwas entweder für die Zulassungs- oder die Diplomarbeit übrig.

Viele Grüße

Ihre Elisabeth Dägling

 

 

Liebe Frau Dägling,

zu Ihrer Frage: Sie sollen (müssen!!) bei Belegen und Beobachtungen auch auf „fremde“ Daten und Theorien zurück greifen. Es ist also kein Problem, dass Sie Schwank zitieren (eventuell sogar mit „pers. Mitteilung“, das aber mit Frau Schwank absprechen). Das Ganze müsste also denn Duktus haben, welche eigenen und fremden Beobachtungen und Daten sprechen FÜR und GEGEN Ihre Theorie bzw. Hypothese. Wobei Sie natürlich die Kontra-Argumente möglichst entkräften müssen. Natürlich müssen Sie hier nicht alle Krankheitsmodelle ADS widerlegen, sondern nur Argumente die gegen ein „anderes Denken“ sprechen müssen. Das wäre der Entwurf eines Forschungsvorhabens mit eingestreuten „Alltagsbeobachtungen“ (Verzeihung, aber empirisch sind Ihre Beobachtungen zunächst nicht sehr viel mehr). Ich muss aber noch einmal fragen: Wofür schreiben Sie das, wer sind die Adressaten. Diese Frage ist wichtig.. Hintergrund: Es gibt z.B. keine psychologische Zeitschrift in Deutschland, die Beiträge ohne ausgeprägte Empirie annimmt. Auch Anträge für Forschungsvorhaben benötigen zunehmend bereits empirische Vorarbeiten etc.. Verstehen Sie mich richtig, ich möchte nicht, dass Sie sich zunächst eine Riesenarbeit machen und dann muss das Ganze wieder neu geschrieben werden.Zum Kontinuum: Bitte, nur weil andere auch von einem Kontinuum (allerdings auf einer ganz anderen Dimension) reden, ist meine Annahme nicht gleich haltlos. Fragen wir mal andersherum: Was konstituiert „zwei eigenständige Gehirne“? Verschiedene Gehirnstrukturen? Auf wlechem Auflösungsniveau? Unterschiede in Transmitterquantitäten? Dann haben also auch Depressive ein „eigenständiges Gehirn“. Unterschiede in Denk- und Gedächtnisprozessen? Dann haben alle Menschen ein „eigenständiges Gehirn“…. Übrigens ist das Ganze keine Frage von richtig oder falsch oder von mehr oder weniger revolutionär. Ich denke wir müssen darüber weiter streiten ;-))) …….was ja Erkenntnisgewinn bringt……Später mehr darüber……

Gruss Tim Tisdale

 

Hallo Frau Dägling,

hier kommt (hoffentlich) der Versuch der moralisch-seelischen Aufrüstung:zu 1) Natürlich sollten Sie Ihre Beobachtungen möglichst genau und detailliert darstellen. Am besten wirklich die wörtlichen Protokolle. Nur so können Sie erklären, wie Ihre Hypothesen entstanden sind. Hier zu versuchen bereits eine Metaebene einzuziehen wäre auch methodisch falsch. Die Metaebene kann ja erst kommen, wenn Sie aus Ihren Hypothesen Konstrukte und ein Modell entwickelt haben. Also ruhig konkrete Gesprächsprotokolle.zu2) Zunächst mal sollte Ihr Stil authentisch sein. Es wäre meiner Meinung nach das schlimmste Szenario, wenn man den Eindruck hätte, eine „Semiprofessionelle“ (wirklich schön…) versucht den Stil bestimmter Artikel zu kopieren. (Über „den“ wissenschaftlichen Stil mancher Fachartikel lässt sich und wird auch in der Wissenschaft gestritten. Die Leute, die von Ihrem Stil auf den Inhalt schliessen, erreichen Sie sowieso nicht. Ihre Zielgruppe müssen aufgeschlossene Wissenschaftler sein, die auch Beobachtungen und Überlegungen von „Nicht-Professionellen“ ernst nehmen. Und die beurteilen Sie nicht nach Ihrem Schreibstil.zu 3) Die Definition von These, Theorie und Modell ist nicht genau festgelegt (es würde mich interessieren, was in dem von Ihnen gelesenen Artikel steht.) Ich spreche von Modell, wenn eine Theorie, die aus mehreren Hypothesen besteht, erklärt, wie etwas funktionieren kann. In diesem Sinne haben Sie ein Modell entwickelt, wie Denken funktionieren kann..Allgemein: Wie ich Ihnen schon einmal geraten habe, würde ich das Ganze vom Duktus folgendermassen aufbauen: Ich habe etwas beobachtet, das auffällig war (genaue Schilderung siehe oben). Dies lässt sich nicht mit den gängigen Theorien erklären, darum muss man ein neues Modell aufstellen usw. Gehen Sie also vom empirischen zum theoretischen und nicht umgekehrt. Die oben genannten „aufgeschlossenen“ Wissenschaftler werden durch die Beobachtungen aufmerksam und nicht durch die These! Das hat nichts mit der Wichtigkeit zu tun!!Habe ich wenigsten ein wenig Beistand leisten können?

Viele Grüße

Tim Tisdale

 

Einführung eines neuen Begriffs

Lieber Herr Dr. Tisdale,

also, ich habe nachgeschaut: evenire heißt sich ereignen, sich begeben, Perfektform „eventum esse“, Konjunktiv Präsens „evenat bzw. evenant“möglich wäre also in Kombination mit Einheit:a) evenierend (gefiele mir, oder klingt das wie enervierend?)b) evenant oder c) evenativDa ich mich nicht entscheiden kann werde ich nehmen, was Sie vorschlagen, was bitte soll es sein: a, b oder c?

Fröhliche Grüße,Elisabeth Dägling

 

Ich bin für b

Gruss Tim Tisdale

 

Lieber Herr Dr. Tisdale,

juchhu, ich habe es geschafft, ich bin mit dem Schreiben und der Durchsicht fertig und es ist im Großen und Ganzen so, wie ich es mir vorgestellt habe.Ich melde mich die Woche telefonisch wegen Durchschauen usw. – was hoffentlich kein „act“ wird, nicht, wenn es nach mir geht  – und überhaupt. Jedenfalls bin ich happy!!!!!!

Viele Grüße und eine schöne Woche,

Elisabeth Dägling

 

Glückwunsch!!!Schicken Sie mir einfach das Werk, ich versuche dann so schnell wie möglich zu lesen….

Gruss Tim Tisdale

 

Bücher und Artikel

Lieber Herr Dr. Tisdale,

freuen Sie sich mit mir: ich habe von Prof. Hoffmann eine mail bekommen, in der er wörtlich schreibt: „Ihre Analyse und theoretische Integration der  Verhaltensbeobachtungen ist beeindruckend. Ich hatte vor ein paar Jahren mit Frau Schwank engen Kontakt bei dem wir immer wieder die Frage diskutiert haben, wie sich ihre Unterscheidung von prädikativen und funktionalen Denkstilen mit meinen Vorstellungen zur antizipativen Verhaltenssteuerung vereinbaren lassen. Sie haben nun eine klare und nachvollziehbare Antwort auf diese Frage gegeben, wobei ich Ihnen besonders in der Betonung der Funktion der Aufmerksamkeit zustimme. Ich gratuliere Ihnen zu einer wirklich grandiosen wissenschaftlichen Leistung..“.

Ich musst es einfach mitteilen, denn wes das Herz voll ist…

Ihnen alles Liebe, danke für alle Ihre Hilfe und viel, viel Freude und Erfolg an und mit Ihrer neuen Aufgabe in Freiburg,

Ihre Elisabeth Dägling

 

 

Hallo, Frau Dägling,

ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich mich für Sie freue. Joachim Hoffmann ist ja nun einer, der so etwas nicht einfach so sagt und dessen Lob man gerne annehmen kann. Vielleicht der erste Teil des Steines, den der Tropfen langsam höhlt.

Ich bin gerade beim packen für Freiburg, deswegen einfach: Gratulation!!!!

Tim  Tisdale

 

 

Hallo, Herr Dr. Tisdale,

hier ist mein Artikel, es hat doch etwas gedauert, bis ich die Korrekturen alle drin hatte, weil ich dann einiges umstellen musste. Die Abbildungen habe ich noch nicht in Angriff genommen, ich hoffe, ich schaffe es in den nächsten Tagen

Viele Grüße und DANKE :-)))

Elisabeth Dägling

 

 

Hallo Frau Dägling,

ich bin einmal drüber. Verzeihen Sie den knappen „Korrekturton“. Manchmal sind die sprachlichen Bezüge nicht so deutlich. Manchmal operieren Sie mit neu eingeführtem Begriffen. Alles in allem aber ein gelungener Artikel.

Gruss Tim Tisdale (mal wieder in Eile)

 

 

Hallo Herr Dr. Tisdale,

ich denke, es wird Sie interessieren:

Am Dienstag habe ich an Herrn Prof. Bischof geschrieben, nachdem ich eine Woche lang an dem Brief herumgefeilt habe. Und heute rief er mich an – ich war richtig perplex. Er war ganz lieb und sehr freundlich, nur meinte er, er sei leider zu alt, um sich in eine so umfangreiche und schwierige Materie noch einzuarbeiten, obwohl plausibel klingt, was ich geschrieben hätte.

Einerseits bin ich sehr traurig, und andererseits freue ich mich natürlich über diese prompte Reaktion von ihm. Und ich sage Ihnen danke für Ihre guten Tipps, die ich alle befolgt habe, was wohl mit dazu beigetragen hat, dass er mich angerufen hat.

Aber diesmal hänge ich schon wieder sehr durch, denn Frau Schwank und ich wollen ja im Juli noch einmal eine Studie durchführen. Und obwohl ich wieder wie beim letzten Mal mit unserem Aufruf vorgegangen bin, habe ich bis jetzt erst 10 Kinder beisammen – letztes Mal hatten sich im gleichen Zeitraum knapp 300 gemeldet! Nun habe ich für dieses Wochenende noch einen Anlauf genommen, aber wenn auch der keine Resonanz bringt, dann werde ich die Sache wohl abblasen müssen.

Frau M. hatte mir so etwas schon gesagt, und ich weiß es inzwischen auch von anderen: nachdem die Sache seit drei Jahren als Krankheit gilt, zahlen die Kassen das Medikament. Nun haben die Leute Angst, es könne sich mit unserer Studie heraus stellen, dass es keine Krankheit ist, und dann zahlen die Kassen nicht mehr und die Leute müssen das Medikament selber zahlen.

Deshalb habe ich damals ja auch so Druck gemacht bei Dörner, aber da wusste ich auch noch nicht, was ich heute weiß. Naja.

Herzliche Grüße

Elisabeth Dägling

 

Mathematik und Regel

Lieber Tim,

ich hänge ja so durch, :-(( …

Du wirst es nicht glauben, aber:
Ich habe doch einen Mathematiker gebeten, meine Versuche einer Formalisierung auf solide Füße zu stellen. Und der Mann, den ich darum gebeten habe, hat als Wissenschaftler gearbeitet, kennt Schwanks Theorie, arbeitet mit Mathematikprofessoren der Uni Darmstadt zusammen und mit einem Matheprof aus Leipzig; er kennt Piaget und dessen Theorien und ist befreundet mit dem Psychologieprofessor Thomas Bernhard Seiler, der noch Piaget und Aebli persönlich kannte. ‚Mein‘ Mathematiker ist also kein Feld-, Wald- und Wiesenmathelehrer. Er hat mir bereits nach dem ersten Durchlesen etwas geschrieben, das ich nicht einordnen konnte, aber auch Fragen gestellt, mit denen mir klar wurde, was ich alles nicht hinreichend beschrieben und erklärt habe. Das trage ich derzeit nach – und es hat nicht (nur) mit Mathe zu tun, sondern ist wirklich essentiell.

Der Hit kam jedoch heute in einem Telefonat mit ihm. Ich habe es echt nicht glauben wollen, aber es läuft darauf hinaus, dass für das, was ich beschreibe, die derzeitige Mathematik nicht ausreicht. Meine Beschreibung verschiedener Ebenen (Perioden, Systeme usw.) enthält Implikationen, die so komplex sind, dass sie bisher noch nicht durchdacht werden konnten.
Tim, ich hab‘ gemeint, ich fall‘ vom Stuhl. ich habe ihn gefragt, was ich denn jetzt machen soll, und er meinte, er schaut, was er daran noch machen kann, ansonsten soll ich bei den Symbolen und Zeichen etc. bleiben, die ich gewählt hätte, nur müsse ich alles so detailliert wie möglich beschreiben. Und ich solle halt im Vorwort erwähnen, dass die Tatsache, dass die Implikationen, die mein Ansatz enthalte, derzeit noch nicht hinreichend durchdacht worden sind.

Jetzt warte ich mal ab, was er mir noch machen kann, und mehr geht eben nicht. Was mache ich nun?

Ehrlich, ich hab‘ heute die ganze Zeit daran denken müssen, dass Dörner mich damals fragte, ob ich die Integrationsformel hätte. ich würde ihn ja zu gern fragen, ob er von mir etwas erwartet hat, das über die derzeitige Mathematik hinausgeht. Nein, boshaft bin ich nicht, ;-).

Liebe Grüße, und hab‘ ein schönes Wochenende,
Elisabeth

 

 

Liebe Elisabeth,
Nur kurz: Ich würde das nicht so ernst nehmen.
Mathematiker und Physiker sind logische Wissenschaftler, die mit empirischen Ergebnissen nicht viel anfangen können.
Du hast bei Deinen empirischen Beobachtungen angefangen und versuchst das Ganze nun auch in der (Hilfs-) Sprache der Mathematik zu fassen.
Was aber nicht bedeutet, dass jede Hypothese, die Du aufstellst, auch mathematischen Axiomen gehorchen muss.
Was anderes hat Dörner ja auch nie gemacht. Also; Kopf hoch…
Beste Grüße
Tim

 

Hallo Elisabeth,

Grundsätzlich: Ich finde das Buch jetzt sehr gelungen.
Der Aufbau ist jetzt sehr stringent.
Nach der Empirie folgt eine genaue und fundierte theoretische Analyse und
danach nachvollziehbare Implikationen/Ableitungen.
Zu Deinen Fragen aus der vorletzten mail:
Es wird nirgendwo etwas ausgeführt, was schon ein „alter Hut ist“. Ausser eben die Grundlagen (Produktion, TOTE, etc.). Und es entspricht dem state of the art.
Deine Ausführungen zu zitierten Autoren sind „fehlerfrei“.
Deine Interpretationen sind für mich nachvollziehbar und dürften damit in dem Bereich liegen, den ein Autor „ertragen muss“. Womit ich nicht meine, dass Deine Interpretationen in irgendeiner Weise „abenteuerlich“ sind.
Es bewegt sich eben alles auf „seriöser“ wissenschaftlicher Ebene.
Also vielleicht noch einmal: sehr gelungen und fundiert.
Ich hoffe Du findest bei den Verlagen einen interessierten und geneigten Lektor/Reviewer, verdient hättest Du es – weiss Gott.
An der Zitierung gäbe es noch was zu mäkeln: In der Psychologie zitieren wir nur den direkten Bezug (also „blabla“) mit Seitenzahlen. Der indirekte Bezug (also wie schon Dörner, Piaget, entsprechend Anderson, vergleiche Tisdale…) wird nur mit Namen und Jahreszahl angegeben (Dörner, 1998).
Fußnoten nur in Einzelfällen, nicht bei Bezug auf das Literaturverzeichnis.
Aber ich würde da jetzt nicht noch einmal drübergehen. Wie gesagt, wenn Lektor interessiert, wird er Dir das zur Überarbeitung zurückgeben.
Also: So losschicken und es geniessen, dass „weg ist“. Vorsicht: Verlage haben eine lange Rückmeldefrist. Es kann also Monate dauern bis Du (ausser der Eingangsbestätigung) ein feed-back bekommst.
Also der Daumen ist gedrückt… dauernd halte ich das nicht aus… aber immer wieder…
Beste Grüße
Tim

 

 

Lieber Tim

heute habe ich Dörners Buch wieder an Dich geschickt, allerdings an Deine Privatadresse, weil ich die Uni-Adresse nicht in meiner ausgedruckten Adressenliste habe. Ich hoffe, dass das ok ist?

Es stand leider nicht allzu viel darüber im Buch, wie PSI programmiert worden ist, aber es waren ein paar interessante Details dabei, die ich noch nirgendwo gelesen habe. Also nochmal ganz lieben Dank, dass Du mir das Buch geschickt hast.

Was die jeweiligen Themen betrifft, die wir behandeln, halten wir uns an die Fakten, auch wenn wir nicht in alle Einzelheiten gehen können. Was jedoch die Rahmenhandlung betrifft, sehen wir uns gezwungen, die griechische Mythologie neu zu interpretieren. Homer und seine Zeitgenossen müssen damals einiges falsch verstanden haben, aber wir biegen es wieder hin, :-).

Liebe Grüße,

Elisabeth

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