Das Regelwerk der Kausalität
 /  Das Regelwerk der Kausalität

Die Regeln der Kausalität

Dieser Artikel war eigentlich gedacht für eine Veröffentlichung in einem wissenschaftlichen Journal. In Anbetracht der Neuartigkeit und Komplexität des Themas einerseits und dem derzeitigen Publikationsprocedere andererseits ist es ausgeschlossen, dass er von einer  Fachzeitschrift angenommen wird. Ich veröffentliche ihn deshalb auf meiner Website, auch wenn er nicht allgemein verständlich gehalten ist.

 

Abstract:

Wir akzeptieren ohne jeden Zweifel die Auffassung, Kausalität sei die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung. Dennoch gibt es auf Basis dieser Vorstellung bis heute keine allgemein akzeptierte Theorie der Kausalität. Diese Sichtweise wird ergänzt von der funktionalen Perspektive, einem Ansatz, mit dem Kausalität als ein auf Regeln beruhender Zusammenhang von Ursache und Wirkung zu verstehen ist. In dieser Perspektive gliedert sich Kausalität in drei verschiedene Klassen, deren Elemente spezifische Kausalitätsregeln repräsentieren, um kausale Ereignisse der jeweiligen Klasse zu beschreiben. Diese Klassen der Kausalität und ihre Kausalitätsregeln stelle ich nachfolgend vor und erläutere sie anhand von Beispielen.

 

Keywords: classes of causality, causal rules, predicative vs. functional variant, complementarity

 

 

  1. Zur Ursache-Wirkungs-Beziehung

 

Üblicherweise wird im Begriff Kausalität das Verhältnis zwischen Ursache und Wirkung als Beziehung aufgefasst. Neueren kognitionswissenschaftlichen Erkenntnissen [Schwank] zufolge beruht ein auf Beziehungen (Relationen) basierendes Denken auf einem kognitiven Erfassen, dem ein statisch greifendes Grundverständnis von Welt und Wirklichkeit zugrundeliegt. Dieses nicht bewusst wirksame und als apriorisch aufzufassende Grundverständnis strukturiert alltägliches ebenso wie naturwissenschaftliches, philosophisches und mathematisches Denken. Auch die grundlegende Struktur unseres allgemeinen Weltbildes wird als Beziehungen-Struktur gedacht. Es kann daher nicht überraschen, wenn auch Kausalität zwangsläufig als ein Beziehungsverhältnis verstanden, analysiert und beurteilt wird.

Diesem im Folgenden als prädikativ[i] bezeichneten Grundverständnis korrespondiert das dynamisch greifende funktionale, das in gleicher Weise völlig eigenständig ist, und daher nicht bloß als ein Aspekt innerhalb des gesamten Spektrums individueller menschlicher Denk- und Verhaltensweisen aufgefasst werden kann. Auf ihm beruht ein Denken in Prozessen, Wirkungsweisen und Bewegungen. Diese Unterscheidung ist trennscharf, meint also keine unterschiedlichen Beschreibungskonzepte. Vielmehr handelt es sich um zwei einander komplementäre, das heißt nicht aufeinander reduzierbare Weisen des menschlichen Erlebens und Verhaltens: das (prädikative) Erfassen des Wirklichen und Möglichen in Form von Zuständen und Beziehungen vs. das (funktionale) Erfassen des Wirklichen und Möglichen in Form von Bewegungen und Wirkungsweisen.

Eine auf dem funktionalen Grundverständnis beruhende Auffassung der Welt hat in Debatten und Diskussionen zur Kausalität keinen Niederschlag gefunden, in Form einer eigenständigen, komplementären Weltbeschreibung nur in Einzelfällen – Einzelfälle, welche mitunter zu einem neuen Bild der Wirklichkeit führten; zu denken ist da an Darwins Theorie von der Entwicklung der Arten oder an Einsteins Relativitätstheorie: Nicht die Fokussierung auf Zustände und Beziehungsverhältnisse ergab die neue Sicht, sondern die Konzentration auf Bewegungen – Mechanismen wie Selektion und Mutation oder das Verhalten von Raum und Zeit aus der Sicht von sich relativ zueinander bewegenden Beobachtern. Hypothesen, Ansätze oder gar Theorien zur Kausalität, die auf dem funktionalen Grundverständnis beruhen, sucht man dennoch vergeblich, ungeachtet der Tatsache, dass mit einer dynamischen Vorstellung von Ursache und Wirkung als etwas sich prozesshaft Vollziehendem schon operiert und sie somit als selbstverständlich vorausgesetzt wurde. Aber ihre Implikationen wurden nicht entfaltet. Die funktionale Vorstellung schließt zudem die teleonomische Sicht ein, die sich bisher fast ausschließlich auf die Biologie beschränkt. Es fehlt daher ein wesentlicher Teil der Beschreibung der Welt und des Wirklichen, weshalb die bisherigen wissenschaftlichen Erklärungen notwendig unvollständig bleiben mussten. Diese Unvollständigkeit der wissenschaftlichen Erklärungen gilt auch und in besonderer Weise für die Interpretation des Phänomens Kausalität. Aus dem prädikativen Grundverständnis heraus wird das Gesetzmäßige der Kausalität zwar gesehen, gesucht wird es aber in einem Beziehungsverhältnis, indem man beispielsweise fragt: Welches Gesetz könnte die Ursache mit der Wirkung verknüpfen oder welche nomologische Form besitzen Kausalaussagen.

Setzt man dieser Auffassung von Kausalität die Annahme entgegen, Ursache-Wirkungszusammenhänge seien in ihrem Ablauf gesetzmäßig bzw. regelhaft verfasst und nur so, als in sich geschlossene Einheiten, zu verstehen, steht der Vorstellung von Kausalität als einem Beziehungsverhältnis die Vorstellung von Kausalität als einer Gesetzmäßigkeit gegenüber. Das heißt, dem statischen Erfassen kausaler Ereignisse wird das dynamische Erfassen gegenüber gestellt, die Kausalität, die sich im Wirklichen und Möglichen in Form dreier Klassen ausprägt, bildet das Gegengewicht zur Kausalität als Beziehungsverhältnis. Diese bisher nicht bekannte komplementäre Auffassung von Kausalität zum Ausdruck zu bringen bedeutet, Kausalität neu zu formulieren.

Der Begriff Komplementarität bezeichnet zwei sich scheinbar ausschließende Beschreibungsweisen eines Phänomens, welche sich wechselseitig ergänzen. Für die beiden Arten des Denkens bedeutet dies, dass sie nicht aufeinander reduziert werden können, ein Denken in Beziehungen nicht in ein Denken in Wirkungsweisen und ein Denken in Wirkungsweisen nicht in ein Denken in Beziehungen transformiert werden kann. Mit dem Perspektivenwechsel wird daher auch kein Wechsel des prädikativen Denkens zum funktionalen gefordert, der ohnehin nicht geleistet werden kann. Die Ergänzung im Gegensatz meint hier die beiden Varianten der Kausalität, in denen sie sich als fundamentaler Zug der Welt ausprägt.

Basierend auf dem Grundverständnis eines dynamischen, prozessgesteuerten Erfassens, ändert sich die Beurteilung des Phänomens Kausalität grundlegend, auch wenn die Fakten dieselben bleiben: Ursachen sind nach wie vor Ursachen, Wirkungen nach wie vor Wirkungen, die zeitliche Folge von Ursache und Wirkung gilt unverändert. Für den Wechsel  der Betrachtungsweise erweist sich der Vorschlag von Falkenburg et al. [1] als hilfreich, Mackies [2] Konditionalanalyse zur Entwicklung verschiedener spezifischer Konzepte der Kausalität zu nutzen. Denn die von Mackie eingeführte Unterscheidung zwischen Umständen, die bereits gegeben sein müssen einerseits[ii] und der INUS-Bedingung als dem auslösenden Moment[iii] andererseits, welche gemeinsam zur Ursache werden, liegt auch der folgenden Beschreibung in Regelform zugrunde. Dabei kann von der Tatsache abgesehen werden, dass Mackies Unterscheidung in einem anderen theoretischen Zusammenhang aufgestellt wurde.

Die Gesetzmäßigkeit der Kausalität lässt sich in den drei Klassen, in denen sie sich ausprägt, nicht mit Natur- bzw. physikalischen Gesetzen erfassen, da die Vorkommnisse, die als Ursachen und Wirkungen interpretiert werden, nicht alle mit physikalischen Größen beschrieben werden können. Zur Beschreibung der kausalen Klassen und der ihnen zugeordneten Ursache-Wirkungszusammenhänge sind Regeln als Elemente die geeigneteren Werkzeuge. Zur Beschreibung wird deshalb, in Ermangelung einer geeigneten Mathematik, die Wenn, dann-Fassung verwendet.

 

 

  1. Die drei Klassen der Kausalität und ihre Notation

 

Die Klassen der Kausalität sind:

  1. Die fundamentale Klasse: die raumzeitliche Struktur K0,
  2. Die allgemeine Klasse: die Kausalität der Abläufe K1
  3. Die elementare Klasse: die Kausalität der Erzeugung K2

K1 und Kunterteilen sich in Variationen bzw. Regeln, die jede eine bestimmte Art der Ausprägung ihrer Klasse repräsentieren.

Die einer Variation zugehörigen kausalen Ursache-Wirkungs-Vorkommnisse werden als Gefüge aus Bedingungen beschrieben. Diese Bedingungsgefüge sind die Kausalitätsregeln. Auf diese Fassung, auf die Allgemeinheit der Aussagen und die Wiederholbarkeit der Vorgänge bezieht sich der Begriff ‚Regel‘. Jede Regel beschreibt Abläufe, Vorgänge und Sachverhalte in der bestimmten Art ihres Ursache-Wirkungszusammenhangs.

Zu den Vorgängen, die den drei Klassen der Kausalität zugeordnet sind, gehören auch Vorkommnisse, die bisher nicht eindeutig und zweifelsfrei als kausal beschrieben wurden. Sie werden als dazugehörig gezählt, weil sie die Bedingungen von Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen erfüllen. Darauf wird mit der Beschreibung der Regeln einzugehen sein. In ihrer Gesamtheit bilden die Regeln einen Rahmen, in welchem kausale Vorkommnisse, auf drei Klassen verteilt, zusammengefasst sind.

 

Alle Kausalitätsregeln enthalten drei Variablen – X,Y,Z -, denen jeweils eine Bedingung zugeordnet ist, die von den in sie eingesetzten Größen erfüllt sein muss. In X eingesetzte Größen sind Anfangs- oder Ausgangsbedingungen; sie sind Umstände, die bereits gegeben bzw. vorhanden sind. In Y eingesetzte Größen erfüllen Veränderungsbedingungen. Dabei kann es sich um Kräfte, um Interaktionen (Wechselwirkungen, Kommunikation), Aktionen oder Reaktionen handeln. Eine Ausnahme bilden die in Klammern gesetzten Größen der Y-Variablen. Dies wird an der entsprechenden Stelle im Text erläutert. Die in Z eingesetzten Größen sind Wirkungen oder ergänzende Faktoren.

Es ergibt sich ein dreiteiliges Konzept, das jeder Regel zugrunde liegt:

Seien daher die Größen A,B und C gegeben, und sei A die in X einzusetzende Größe, B die in Y einzusetzende Größe und C die in Z einzusetzende Größe, dann gilt: „Wenn A (X) vorhanden ist, und dann, wenn B (Y) der Fall ist, dann auch C (Z).

Das ‚und dann‘ zwischen X und Y meint  kein logisches : die beiden Teilursachen, die gemeinsam die Ursache bilden, können, da sie zeitlich aufeinander folgen, ihre Position nicht tauschen.

Die Regeln sind bereichs-, aber ansonsten unspezifisch: weder sind Art und Anzahl der in die Variablen eingesetzten Größen festgelegt, noch werden Wirkungen determiniert. Um die verschiedenen Arten von Ursache-Wirkungs-Vorkommnissen zu beschreiben, sind daher den Variationen entsprechend mehrere Regeln erforderlich. Wahrscheinlich sind die Regeln durch weitere ergänzbar, da es kein Kriterium dafür gibt, ihre Vollständigkeit zu überprüfen.

Kausalität existiert in zwei Varianten: der prädikativen und der funktionalen Variante. Die von Schwank eingeführten Begriffe werden beibehalten, da genau diese Unterscheidung zweier kognitiver Strukturen auf die Varianten zurückgeführt werden kann. Jede Klasse der Kausalität erfordert prädikative und funktionale Regeln, um die unterschiedlichen Vorkommnisse zu beschreiben. Mitunter kann ein Sachverhalt in beiden Varianten beschrieben werden. In solchen Fällen können die Wirkungen voneinander abweichen, müssen es aber nicht.

Die jeweilige Klasse ist ausgedrückt mit der tiefgestellten Indexzahl. Hochgestellte Indices geben die Ordnungszahl der Regel an, das + die prädikative, das die funktionale Variante. Hochgestellte Minuskeln bezeichnen verschiedene Arten von Vorkommnissen, die mit derselben Regel beschrieben werden. Der tiefgestellte Indexbuchstabe einer Variablen – Xi, Yi, Zi– gibt die Zusammengehörigkeit der Größen sowie die Stellung in der Hierarchie an. In runden Klammern (Xi, Yi, Zi) und kleingeschrieben handelt es sich um vereinzelte, voneinander unabhängige Größen; in Mengenklammern {Xi, Yi, Zi} gesetzt bilden sie eine Einheit bzw. sind sie Bestandteile einer Größe. Die tiefgestellte Indexzahl – z. B. X1 X2, Z1, Z2, usw. – gibt die Anzahl der möglichen Anfangsbedingungen (Umstände) bzw. die Menge der möglichen Wirkungen an.

Da es derzeit noch keine Mathematik zur formalen Beschreibung der Regeln gibt, erläutere ich sie anhand von Beispielen. Bei den gewählten Beispielen habe ich bewusst ein breiteres Spektrum gewählt; es handelt sich sowohl um Alltagsphänomene wie um Forschungsergebnisse aus verschiedenen Fachgebieten. Einige Beispiele enthalten zudem Hypothesen: Sie beruhen zwar auf wissenschaftlichen Studien und Erkenntnissen, enthalten aber zusätzliche Annahmen, die noch überprüft werden müssen. Da es keine erkennbare Steigerung des (natur)wissenschaftlichen Ertrages bedeutet, kausale Vorkommnisse nur in anderer Weise als Ursache-Wirkungszusammenhang zu beschreiben, dienen diese Beispiele dem Zweck, zu zeigen, dass sich die Kenntnis der Regeln dazu eignet, Zusammenhänge sichtbar zu machen, die bisher nicht hergestellt wurden, und Vorhersagen zu ermöglichen. Die Regeln könnten so dazu beitragen, Erklärungslücken zu schließen.

Da es nicht darum geht, wissenschaftliche Theorien und Hypothesen zu diskutieren, sondern ausschließlich die Elemente der drei Klassen, die einzelnen Regeln, expliziert werden sollen, wird auf fachwissenschaftliche Details nicht eingegangen. Untersucht wird, ob die ‚Wenn, dann‘-Form zur Beschreibung von Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen geeignet ist und eine Mathematisierung der Regeln ermöglicht. Von detaillierten fachspezifischen Darstellungen der verschiedenen, als Beispiel gewählten, Sachverhalte wird deshalb zugunsten einer vereinfachten Regelbeschreibung in natürlicher Sprache abgesehen.

 

 

            2.1 Die Varianten

Prädikative und funktionale Variante sind komplementäre Ausprägungen der Regeln. Auf ihnen beruht das Prinzip der Komplementarität, welches auch in den beiden Arten des Grundverständnisses zum Tragen kommt. Die Regeln der prädikativen Variante beschreiben die Abfolge der Variablen wie folgt:

Wenn X, und dann, wenn Y, dann auch Z

Die prädikative Folge gibt die zeitliche Richtung eines kausalen Vorgangs, seinen irreversiblen Ablauf in der Zeit, vor.

Bei den Regeln der funktionalen Variante kommt die Variable X in Z vor. Bei dieser Variante gilt für jede Regel die Abfolge:

Wenn Z, und dann, wenn X, dann auch Y

Während die prädikative Beschreibung in der Reihenfolge der Variablen unserem Verständnis einer Abfolge von Ursache und Wirkung entspricht, trifft dies für die funktionale Variante so nicht zu. Die Annahme ist, dass es sich auch bei Vorgängen, die in dieser Weise beschrieben werden, um kausale Vorkommnisse handelt.

Im Folgenden werden die Variationen, die Modelle der drei Klassen, beschrieben und anhand ihrer Elemente mit Beispielen erläutert.

 

          3.Die fundamentale Klasse: die Grundregel der Kausalität K0

 

Einziges Element der fundamentalen Klasse ist die Grundregel. Sie beschreibt die Form, in der das Wirkliche sich ausprägt: die grundlegende Struktur materialer Körper. Jede Variable der Grundregel fordert als Bedingung von den in sie eingesetzten Größen eine Eigenschaft, mit der den Größen ein Wahrwert zugeordnet werden kann. Diese geforderte Eigenschaft ist die Zeit. Sie gilt für alle Regeln aller drei Klassen in ihren Varianten und Variationen.

Für alle X gilt die Eigenschaft: X_hat_Vergangenheit

Für alle Y gilt die Eigenschaft: Y_ist_jetzt (in der Gegenwart) der_Fall

Für alle Z gilt die Eigenschaft: Z_wird_in_der_Zukunft (nicht (mehr)) existieren.

Die beschriebene Folge der Variablen – X,Y,Z – entspricht der prädikativen Variante und, hinsichtlich ihrer zeitlichen Eigenschaften, dem Ablauf der Zeit im Wirklichen. In der funktionalen Variante wird Zeit zur Möglichkeit, die unter bestimmten Bedingungen Realität werden kann. Dies drückt sich in der Reihenfolge ihrer Variablen aus: Vergangenheit ist in der Zukunft enthalten, gefolgt von der Gegenwart. Eine Ausnahme bildet die fundamentale Klasse, in ihr fallen beide Varianten in eins zusammen.

Die Variableneigenschaften sind nicht identisch mit den individuellen Eigenschaften der einzusetzenden Größen. Es muss daher streng unterschieden werden zwischen den zeitlichen Eigenschaften, die die Variablen zur Erfüllung der Regel von den Größen fordern, und deren spezifischen Eigenschaften.

Welche Größe auch immer in die Variable X eingesetzt wird – z. B. ein Neuron, ein Familienmitglied, ein Fahrzeug – muss demnach die Eigenschaft „hat_Vergangenheit“ besitzen, wenn sie – als Anfangsbedingung – Teil einer Ursache ist. Als Neuron dagegen ist eine Größe durch dessen Funktion charakterisiert, als Familienmitglied muss sie individuelle menschliche und als Fahrzeug spezifische materielle Eigenschaften besitzen. Ebenso müssen in Y eingesetzte Größen in der Gegenwart der Fall sein, und in Z eingesetzte Größen in der Zukunft existieren oder nicht oder nicht mehr existieren.

Da Zeit nicht isoliert vom Raum gedacht werden kann, sind die grundlegenden Größen die drei räumlichen Dimensionen: Länge, Fläche, Volumen. Gemeinsam bilden sie die in die Variable X einzusetzenden Größen. Die Zeit als Eigenschaft verbindet diese drei Größen und damit die beiden Teilursachen mit der Wirkung. Auf Regelebene erfüllt die Zeit als Größe die Bedingung der Variablen Y, sie ist in jedem Augenblick der Fall. Die Wirkung, die aus der Verbindung der räumlichen Dimensionen durch die Zeit als Symmetrie-Eigenschaft hervorgeht, ist die Raum-Zeit. Ihre Unauflöslichkeit verhindert die Zuordnung der Zeitstufen zu einer bestimmten Dimension.

Alle dreidimensionalen Körper vereinigen daher auch die drei zeitlichen Eigenschaften in sich: sie haben Vergangenheit, sie sind in der Gegenwart der Fall, sie werden in der Zukunft (nicht oder nicht mehr) existieren. Ihre Existenz in der Zeit ist die nicht hintergehbare Seins-Bedingung dreidimensionaler Körper.

Die Bedingungen der Grundregel als Element der fundamentale Klasse gilt für alle regelbeschriebenen Ereignisse und Vorkommnisse. Die Vielfalt der Erscheinungsformen, in denen materiale Körper sich manifestieren, basiert auf der ihnen allen gemeinsamen raumzeitlichen Struktur. Die Zeit als Eigenschaft aller Körper bewirkt ihre Veränderung im Wirklichen.

Anzumerken ist, dass dieser Versuch, die Raum-Zeit kausal zu verstehen, auf einer anderen Ebene liegt, als die Theorien zu den drei Dimensionen, wie sie beispielsweise von Gonzales-Ayala et al.[3] oder von Brandenberger et al [4] entwickelt wurden.

 

 

       4.Die allgemeine Klasse: die Kausalität der Abläufe K1

 

Die Regeln der K1 beschreiben, was allgemein unter einem Ursache-Wirkungs-Zusammenhang zu verstehen ist.

Die nachfolgend beschriebenen Beispiele entsprechen in der prädikativen Regelvariante dem Konzept: Wenn X, und dann, wenn Y, dann auch Z.

In der funktionalen Variante entsprechen sie dem Konzept:

Wenn Z, und dann, wenn X, dann auch Y.

Die Regeln werden nacheinander erst in der prädikativen und danach in der funktionalen Variante in Form von Beispielen beschrieben und anschließend erläutert.

 

 

            4.1 Die Regeln der K1 in der prädikativen Variante

 Es gibt drei Variationen. Ihre Unterteilung erfolgt nach den Kriterien:

  1. a) X und Y sind voneinander unabhängig Variation +1K1
  2. b) Y ist von X abhängig Variation +2K1
  3. c) X und Y bedingen sich wechselseitig Variation + 3K1

Ereignisse, die in die zweite Variation fallen, galten bisher nicht grundsätzlich als kausal. Dazu gehören u.a. Ereignisse wie das Reiz-Reaktion-Effekt-Schema. Ein Effekt ist jedoch insofern als Wirkung zu bezeichnen, als, kontrafaktisch gesehen, Ereignis E2 als Effekt nicht eingetreten wäre, wenn nicht zuvor Reiz und Reaktion als Ereignis E1 eingetreten wären. Dabei muss der Reiz als Umstand gegeben sein, damit die Reaktion in der Gegenwart der Fall sein kann.

 

Beispiele:

+1K1:

Wenn X, ein Haus vorhanden ist, und dann, wenn Y, ein Blitz, der in dieses Haus einschlägt, der Fall ist, dann wird Z1, das Haus brennen, werden Z2,Teile des Hauses brennen, wird, Z3, das Haus dank Blitzableiter nicht brennen, usw.

            Anmerkung: Weder ist ein Haus das Element, welches Blitze auslöst, noch ist der Blitz eine Reaktion auf das Haus – beide Teilursachen sind voneinander unabhängig, führen aber gemeinsam zu einer Wirkung.

 

+2K1

Wenn X, ein Durstgefühl vorhanden ist, und dann, wenn Y, Wasser getrunken wird, dann ist Z , der Durst gelöscht.

            Anmerkung: Die Handlung/Reaktion ist vom Reiz abhängig, da sie ohne ihn nicht stattgefunden hätte. Die Wirkung ergibt sich aus den in X und Y eingesetzten Größen, sowie der Zeit als gemeinsamer Eigenschaft und dem zeitlichen Ablauf des Vorgangs.

 

+3K1

Wenn X1, eine Apfelblüte, und wenn X2, eine Biene vorhanden sind, und dann, wenn Y1,   die Biene die Blüte befruchtet und Y2, Nektar sammelt, dann wird Z1, (k)ein Apfel existieren, Z2, die Biene Nahrung erhalten.

            Anmerkung: Die +3K1 ist eine erweiterte Form der +2K1. Mit der Anzahl der X-Größen steigt die Anzahl der Handlungs- und Einwirkungsmöglichkeiten sowie die der Wirkungen aufgrund der Abhängigkeiten. Der Vorgang kann in eine Reihe von kleineren Vorgängen unterteilt, als zwei parallele Folgevorgänge oder auch als Kausalkette beschrieben werden, mit der jede Wirkung im nächstfolgenden Schritt zur Ursache wird.

 

 

            4.2 Die Regeln der K1 in der funktionalen Variante

Es gibt zwei Variationen. Ihre Unterteilung erfolgt nach diesen Kriterien:

  1. a) Y setzt an Z an Variation -1K1
  2. b) Y setzt an X an Variation -2K1

 

In der funktionalen Variante setzt Y an Z an (1.Variation). In Ausnahmefällen kann Y auch an X ansetzen (2. Variation). Dann muss Z jedoch in irgendeiner Form in X vorkommen, müssen Vergangenheit und Zukunft in eins zusammenfallen.

In beiden Variationen gibt es unterschiedliche Arten von Vorkommnissen. Die jeweilige Art wird, wieder alphabetisch geordnet, gemeinsam mit der hochgestellten Indexzahl angegeben. Da diese Variante bisher nicht mit Kausalität in Verbindung gebracht wurde, sind die nachfolgenden Beispiele der Versuch, die gewählten Sachverhalte als kausale Vorkommnisse mittels der präsentierten Regel zu beschreiben.

 

Regeln in a)

-1aK1 : Y ist der Fall, und dann, wenn Y an Z orientiert ist, dann ergibt sich X und kommt in Z vor

-1bK1 :Y ist ein Verhalten, das an Z ansetzt, womit X in Z auftritt

-1cK1: Z ist ein Zweck, in dem in X etwas vorhanden ist, womit Y, zur Realisierung von Z, an X ansetzt

-1dK1: In Z als Zweck ist X vorhanden, Y setzt an Z an

 

Regeln in b)

-2aK1 : Z ist denkmöglich in X vorhanden, Y setzt an X an

-2bK1 : Z ist ein Ziel, X ist Anfangsbedingung, Y ist die Planung des Handelns

-2cK1 : Z ist ein Ziel, X ist Anfangsbedingung, Y ist die Berechnung des Ablaufs

 

Beispiele zu a)

-1aK1

Wenn eine Wechselwirkung Y zweier verschränkter Teilchen der Fall ist, und dann, wenn daraufhin der Zerfall Z des Überlagerungszustandes einsetzt (Dekohärenz), dann war X, der quantenmechanische Zustand der Kohärenz zweier Teilchen, gegeben.

Anmerkung: Die Regeln  -1aK1 und -1bK1 beschreiben quantenmechanische kausale Vorkommnisse, sie gelten nicht für reale kausale Ereignisse. Mit der -1aK1 setzt Y an Z, der Dekohärenz als Ergebnis bzw. als (beobachtbarer) Wirkung, an, X kommt also in Z vor. Der quantenmechanische Zustand X der beiden Teilchen ist zwar unbestimmt, er muss aber gegeben sein, da Z sonst nicht eintreten könnte.

 

-1bK1

Wenn X, der Zustand / die Teilcheneigenschaft zu Beginn eines Experiments unbestimmt ist, und dann, wenn Z, die Messung eines Zustandes / einer Teilcheneigenschaft, stattfinden soll, dann setzt Y, das Verhalten des Teilchens (Integration über alle Pfade), an Z, den Zielbedingungen an.

            Anmerkung: Diese Regel beschreibt den Vorgang, mit dem der Aufbau der Apparatur zur Messung einer Teilcheneigenschaft die Zukunft des Teilchens und seine zu messende Eigenschaft bereits festgelegt hat. Da der Zustand des Teilchens zu Beginn unbestimmt ist, es durch die Wechselwirkung mit dem Messgerät Vergangenheit hat, die nun in seiner bereits zu Beginn des Experiments festgelegten Zukunft vorkommt, kann das ‚Verhalten‘ / der Zustand des Teilchens nur an Z ansetzen.

 

-1cK1

Wenn Z (Grube mit Beutetier als Nahrung für den Nachwuchs) existieren soll, und dann, wenn X (Beutetier als Nahrung (X1) und Sandfläche für Grube (X2)) vorhanden sind, dann ist Y(Graben für den Zweck) der Fall.

            Anmerkung: Diese Regel bringt die teleonomische Sicht zum Ausdruck: Die Erkenntnis, dass die Finalität von Handlungsweisen und Lebenserscheinungen auf einer speziellen Form der Kausalität, nämlich auf Regelprozessen beruht, lässt ihre Beschreibung  mit einer kausalen Regel zu.

 

-1dK1

Wenn zugleich mit Z (Ziel) ein darüber hinausgehender Zweck () erreicht werden soll, und wenn X die Bedingungen vorhanden sind, die seine Erfüllung über das erreichte Ziel hinaus notwendig machen, dann hängt das Verhalten (Y) von Z(ZZweck) ab.

            Anmerkung: In diesem Fall ist  ZZweck in X enthalten, Y hängt nicht von Z, sondern von ZZweck  ab. Diese Denk- und Vorgehensweise entspricht der funktionalen Art, bei der mögliche zielführende und zweckerfüllende Maßnahmen verglichen werden und diejenige gewählt wird, die als die am wahrscheinlichsten erfolgreiche erscheint. Es werden auch hierbei die möglichen Wege zum Ziel „integriert“.[iv]

 

Beispiele zu b)

-2aK1:

Wenn Z, ein beabsichtigtes Ergebnis, existieren soll (z.B. Messung eines Teilchens) und dann, wenn X, die Menge der Geräte zur Messung eines Teilchens vorhanden ist,

dann setzt Y, die Planung und Vorbereitung für die Messung, an X an.

Anmerkung: Diese Regel beschreibt den Vorgang für eine Messung, das Verhalten des Objekts wird mit der -1bK1 beschrieben.

 

-2bK1

Wenn Z, die Lösung eines Problems ist, und dann, wenn X die Faktoren des Problems (vorhanden) sind, dann ist Y, die Entwicklung von Lösungswegen, an X ansetzend, der Fall.

            Anmerkung: Im Wirklichen können Handeln und Verhalten nur an bereits Vorhandenem ansetzen. Deshalb ist es zwar denkmöglich, vom antizipierten Ziel her zu denken, nicht aber, an ihm ansetzend zu handeln.

 

-2cK1

Wenn Z1 eine Billardkugel ist, die eine zweite Kugel Z2 so anstößt, dass diese gegen eine dritte Kugel Z3 stößt, die in Bewegung versetzt wird, und dann, wenn in X die Größen, die Geschwindigkeiten der Kugeln und die Stoßrichtung bekannt sind, dann können die Bahnen der Kugeln, an X ansetzend, berechnet werden und Y, das Anstoßen der erste Kugel, kann erfolgen.

Anmerkung: Diese Regel setzt die Kenntnis der Eigenschaften als Größen voraus, die Wirkung, die mit dem Anstoßen der ersten Kugel ausgelöst wird, führt zu weiteren Wirkungen bei den beiden anderen Kugeln.

 

 

  1. Die elementare Klasse: die Kausalität der Erzeugung K2

 

Während mit den Variationen der K1 im Wesentlichen Abläufe beschrieben werden, die dem allgemeinen Verständnis von Kausalität entsprechen, beschreiben die beiden Variationen der K2, 1K2 und 2K2, komplexere kausale Zusammenhänge, deren Wirkung erzeugte Objekte sind.

Das Leitkriterium für die 1K2 lautet:

Die Wirkung ist eine Funktionseinheit. Sie ergibt sich mit der Zusammensetzung von Elementen zu einem homogenen Ganzen. Das Ganze hat neue und andere Eigenschaften als die Elemente, aus denen es besteht.

 

Das Leitkriterium für die 2K2 lautet:

Die Wirkung ist ein Produkt. Diese Wirkung, die aus Prozessen hervorgeht, entsteht im Input-Output-Verfahren. Das hervorgebrachte Produkt weist neue und andere Eigenschaften auf, die nicht auf die Eigenschaften der Elemente zurückzuführen sind, denen es sein Entstehen verdankt.

 

Für beide Variationen der K2 gelten außerdem diese Kriterien:

  1. a) Die X-Variable enthält stets drei Größen:

Für alle X gilt: X(X,Y,Z) in der prädikativen und X(Z ,X, Y) in der funktionalen Variante.

Jede dieser Größen von X muss innerhalb eines jeden kausalen Sachverhalts ebenfalls die Forderung nach der zugehörigen zeitlichen Eigenschaft erfüllen. Die zeitlichen Eigenschaften dieser drei X-Größen bestimmen sich entweder über ihre Zusammengehörigkeit aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte oder über die zeitliche Abfolge der Prozesse, mit denen die erzeugten Objekte entstanden sind.

In runde Klammern gesetzt sind die jeweiligen Größen in sich vereinzelt und unverbunden. Die Variable Z hat in diesem Fall nicht die Bedeutung ‚Wirkung‘, sondern ‚ Z gehört dazu‘. Die Größen befinden sich auf der Grundebene, auf der sie als in sich vereinzelt zusammenkommen. Damit ist noch kein kausaler Zusammenhang beschrieben. Erst mit ihrer Verbindung durch eine Aktion oder Kraft, mit der sie gemeinsam zu einer Größe werden, ist der kausale Zusammenhang gegeben. Damit sind sie in Mengenklammern {Xi,Yi,Zi } zu setzen. Auf der nächsthöheren Ebene sind sie in dieser Form in eine Variable einzusetzen.

  1. b) Die in Y eingesetzten Größen haben folgende Funktionen:

– Als Verbindungselemente verbinden sie (Xi,Yi,Zi) zu {Xi,Yi,Zi} und (Zi ,Xi Yi) zu  { Zi ,Xi Yi}.

– Als verbindendes Element können sie sowohl Funktionselemente als auch Interaktionen sein. In den Beispielen sind sie kursiv gesetzt.

– Im Verbund mit X und Z sind sie ein drittes Element mit besonderer Funktion.

  1. c) Kausale Vorkommnisse der K2 können bis zum Auftreten/Eintreten der Wirkung über mehrere Ebenen verlaufen.

 

            5.1 Die Regeln der 1K2  in der prädikativen Variante: Objekte als Funktionseinheiten

 

+1aK2

Retina: Fotorezeptoren, Bipolar-(Filter)zellen, Ganglienzellen

Grundebene: Wenn X, Stäbchen und zwei Arten von Zapfen, vorhanden sind, und dann, wenn Y, Horizontal-, Bipolar-, Amakrin-Zellen der Fall sind, dann gehört Z, Ganglienzellen, dazu

Prozessebene: Wenn (X Y, Z) vorhanden sind (Xi) und dann, wenn ihre synaptische Verknüpfung durch Axone und Dendriten der Fall ist (Yi), dann wird die Retina als Funktionseinheit (Zi {Xi, Yi, Zi}) existieren.

            Anmerkungen: Während Fotorezeptoren und Ganglienzellen Wellenlängen umwandeln, besteht die Aufgabe von Horizontal-, Bipolar-, Amakrin-Zellen darin, Signale zu verstärken bzw. zu unterdrücken. Ihre Funktion ist daher eine andere als die der anderen Zellen. Auf der Prozessebene erfüllen Axone und Dendriten die Bedingung von Y, sie sind Verbindungselemente, über welche die Signale zwischen den Neuronen verlaufen.

 

+1bK2

Familie: Frau, Mann (Erzeuger), Kind(er)

Grundebene: Wenn es X, eine Frau gibt, und dann, wenn Y, ein Mann der Fall ist, dann gehört Z, Kind(er), dazu.

Prozessebene: Wenn Xi (X, Y, Z) vorhanden ist, und dann, wenn zwischen ihnen Yi, eine interne Kommunikation  der Fall ist, dann wird Zi{Xi, Yi, Zi}, eine Familie, existieren.

            Anmerkung: Der verbindende Faktor ist die interne Kommunikation. Aus ihr gehen als weitere Wirkung (Produkt) familienspezifische Regeln und Rituale hervor. Berücksichtigt man diese weitere Wirkung, dann fallen Ereignisse wie die Gründung einer Familie unter die 2K2. Dieser Prozess wird mit der funktionalen Regelvariante beschrieben, wenn die Familiengründung unter dem Aspekt ihrer Planung gesehen wird. Die Regel in prädikativer Variante beschreibt ausschließlich die Zusammensetzung zur Funktionseinheit Familie.

 

+1cK2

Dieses Beispiel ist in Teilen eine Hypothese:

Gehirn-Bewusstsein -Kontinuum: Neuronale Verschaltungsarchitektur, Repräsentationsebene (sie enthält Elemente wie Aufmerksamkeit und Ordnungsstrukturen), Bewusstseinssystem

Grundebene: Wenn X, eine neuronale Verschaltungsarchitektur /Gehirn vorhanden ist, und dann, wenn Y ein Bewusstseinssystem der Fall ist, dann gehört Z, eine Repräsentationsebene, dazu.

Prozessebene: Wenn Xi (X, Y, Z) vorhanden sind, und dann, wenn Yi, eine Interaktion über tripartite Synapsen[v] der Fall ist, dann wird Zi{ Xi, Yi, Zi },ein Gehirn-Bewusstsein-Kontinuum existieren.

Anmerkungen: Diese Regel beschreibt komplexe Gebilde, deren Größen nicht materiale Entitäten, sondern über ihre (dynamischen)Eigenschaften definiert sind, wie beispielsweise die Repräsentationsebene und das Bewusstsein. In den Kognitionswissenschaften geht man nach Gardner von der Annahme aus:

„ …daß es zulässig – ja notwendig – ist, ein eigenes Niveau für die Analyse zu   postulieren,      das ‚Repräsentationsebene‘ genannt werden kann. Bei seiner Arbeit auf dieser Ebene hat es            ein Wissenschaftler beispielsweise mit Symbolen, Regeln und Vorstellungen zu tun – jener Art          Repräsentation eben, die zwischen Input und Output liegt -, und er untersucht zudem             Verbindungen, Transformationen und Unterschiede zwischen diesen Entitäten.“(S.50)

Der Begriff Repräsentationsebene hat sich in der Psychologie inzwischen etabliert.

Die tripartite Synapse gilt als Schnittstelle zwischen neuronalem und Glia-Netzwerk. Die Interaktion der Astrozyten ist erkennbar an einer Erhöhung des Astrozyten-Ca2+ [Pereira 2007] [Pereira 2010] Fehlen sie und die LTP[vi] bei bewusstlosen Mäusen, deutet dies auf einen Zusammenhang mit dem Bewusstsein hin. Das Astrozyten-Netz und seine sich langsam im Gehirn ausbreitende biochemische Interaktion kann als biologisches Korrelat des Bewusstseins interpretiert werden.

 

 

            5.2 Die Regeln der 1K2 in der funktionalen Variante: Objekte als  Funktionseinheiten

 

Im Unterschied zur prädikativen Variante, in der sich die Größen, die in die Variablen eingesetzt werden, voneinander unterscheiden, beschreibt die funktionale Variante für die X- und Z-Variable zwei Größen derselben Art. Da das dreiteilige Konzept der Kausalitätsregeln in den nachfolgend beschriebenen Vorgängen aufzufinden ist, lässt sich der jeweilige Vorgang als kausales Ereignis beschreiben.

 

-1aK2

Proton: Zwei Up-Quarks, ein Down-Quark(entgegengesetzter Isospin)

Grundebene: Wenn Z, ein Proton existieren wird, und dann, wenn ein X, Up-Quark  vorhanden sein muss und Z, ein zweites Up-Quark dazu gehört, dann muss Y, ein Down-Quark der Fall sein.

Prozessebene: Wenn Zi{Zi, Xi, Yi}, ein Proton existiert, und dann, wenn (deshalb) Xi(Z, X, Y), die genannten Quarks als Größen vorhanden sein müssen, dann ist Yi (Gluonen / Antipaar-Teilchen) der Fall.

Anmerkung: Die funktionale Variante beschreibt X als ein Vorkommnis in Z, beide fallen in eins zusammen. Da die Größen der X- und Z-Variablen von derselben Art sind, könnte dies als gemeinsames Vorkommen interpretiert werden: es ist nicht entscheidbar, welches Up-Quark die Bedingung welcher der beiden Variablen erfüllt.

 

-1bK2

Wassermolekül: Zwei Wasserstoffatome, ein Sauerstoffatom (negative Teilladung), Wasserstoffbrücken.

Grundebene: Wenn Zi, ein Wassermolekül existieren wird, und dann, wenn X, ein Wasserstoffatom vorhanden sein muss und (deshalb) Z, ein zweites Wasserstoffatom, dazu gehört, dann ist auch Y, ein Sauerstoffatom der Fall.

Prozessebene: Wenn Zi{ Zi, Xi, Yi}, ein Wasserstoffmolekül, existieren wird, und dann, wenn (weil) Xi(Z, X, Y) die Elemente vorhanden sind, dann sind Yi, Elektronenpaarbindungen (kovalente Bindungen), der Fall.

Anmerkung: Die Regel ist dieselbe wie die -1aK2. Nur die Größenordnung der Größen ist eine andere. Es gilt aber, wie für -1aK2, dass X- und Z-Größe von derselben Art sein müssen, so dass nicht auszumachen ist, welches Wasserstoffatom welche Eigenschaft erfüllt .

 

 

            5.3. Die Regeln der 2K2 in der prädikativen Variante: Objekte als Produkte

 

Für die Beschreibung von Produktionsprozessen sind die Erzeugungselemente zwar von Bedeutung, wesentlich aber sind die Vorgänge, die zur Erzeugung des Produkts führen. Daher bilden die Vorgänge, nicht Entitäten die Größen, aus denen das Produkt hervorgeht. Nicht erwähnt werden Regeln, die quantenmechanische Erzeugungsprozesse beschreiben; Regeln, die es aber vermutlich ebenfalls geben wird.

 

Beispiele

+2aK2                                                                    

Synthese eines Proteins: Transkription, Translation, Produktion

Erste Prozessebene Transkription: Wenn X, der zu transkribierende Genabschnitts durch RNA-Polymerase  gefunden wurde, und dann, wenn Y, die Aufspaltung des DNA-Strangs und Trennung der Basenpaare, der Fall ist, dann gehört Z, das Anbinden freier Nukleotide (Bausteine aus Base, Phosphatrest und Ribose) an der Vorlage des Gen-Strang dazu.

Zweite Prozessebene: Wenn Xi(X,Y,Z), die genannten Vorgänge stattgefunden haben, und dann, wenn Yi, die Verbindung über das Phosphatrückgrat der Fall ist, dann gehört Zi, das Abtrennen des transkribierten mRNA-Strangs dazu.

Dritte Prozessebene Translation: Wenn Xii(Xi, Yi, Zi) die zuvor genannten Vorgänge stattgefunden haben, und dann, wenn Yii, die Bildung eines Dreier-Basen-Codon der Fall ist, dann gehört Zii, die Kopplung von Basen-Codons an t-RNA (Anticodon mit passender Aminosäure) dazu.

Vierte Prozessebene: Wenn Xiii(Xii, Yii, Zii ) die zuvor genannten Vorgänge stattgefunden haben, und dann, wenn Yiv, die Überlagerung von Dreier-Basen-Codon durch Ribosom und Kopplung des Anticodons an das Dreier-Codon der Fall ist, dann gehört Ziii, die Abtrennung der an das Anticodon gekoppelten Aminosäure dazu.

Fünfte Prozessebene Produktion: Wenn Xn(Xn, Yn, Zn) auch für die nachfolgenden Dreier-Basen-Codons alle erforderlichen Vorgänge stattgefunden haben, und dann, wenn nach fortlaufender Überlagerung des Ribosoms und Kopplung des entsprechenden Anticodons an die folgenden Dreier-Codons (bis zum Stopp-Codon) Yn, die Abtrennung der erforderlichen Aminosäuren, der Fall ist, dann wird mit der Zusammensetzung der Aminosäuren Zn, das fertige Produkt, ein Protein, der Fall sein.

            Anmerkung: Auch bei mehreren Prozessebenen entsteht das endgültige Produkt erst mit den Vorgängen auf der letzten Ebene. Aus dem gesamten Prozess geht aber dieses als Wirkung ein Protein als Produkt hervor.

 

Die folgenden Beispiele sind Hypothesen, die auf wissenschaftlichen Studien und Erkenntnissen beruhen. Ihrer Interpretation liegt jedoch die jeweilige Regel zugrunde.

 

+2bK2

Produktion von prädikativen Gedächtnisinhalten: Neuronale Aktivität, Synchronisation, Repräsentation.

Erste Prozessebene: Wenn X, feuernde Neurone, die auf Formanteile ansprechen, vorhanden sind, und dann, wenn Y, feuernde Neurone, die auf Ortsmerkmale reagieren, der Fall sind, dann gehören Z, feuernde Neurone dazu, die auf Farbmerkmale ansprechen.

Zweite Prozessebene: Wenn Xi(X,Y,Z,), Aktivität der genannten Neurone vorhanden ist, und dann, wenn Yi, Interaktion der Neurone über synaptische Verbindungen der Fall ist, dann werden sie, nachdem sie wechselseitig über vorwärts- und rückwärts verlaufende Verbindungen (Rückkopplungen) die Information über ihre Variablenposition ausgetauscht haben, Zi{Xi,Yi,Zi}, ihre Aktivitäten synchronisieren.

Parallel dazu verlaufen Rückkopplungsprozesse:

Wenn (Zi{Xi,Yi,Zi}) Synchronisation gegeben sein wird, und dann, wenn es Yi,        Rückkopplungen gibt, dann ist auch Xi(Xi,Yi,Zi), Aktivität der Neurone gegeben.

Dritte Prozessebene: Wenn Neurone ihre Aktivitäten auf der Basis der Folge Xii{Xi,Yi,Zi} synchronisiert haben, und dann, wenn Yii, ein spezifisches Schwingungsmuster der Fall ist, dann wird Zii{Xi,Yi,Zi}, das wahrgenommene Objekt auf der Repräsentationsebene als Proposition existieren.

Die Argument-Prädikat-Relation geht als Wirkung aus den Prozessen auf der neuronalen Ebene hervor.

Auf neuronaler Ebene läuft der Prozess weiter:

Wenn Xii vorhanden ist, weil die genannten Neurone ein Ensemble gebildet haben, und dann, wenn (weil) Yii, Aktionspotenziale der Neurone der Fall sind, dann wird Zii, ein gemeinsames Signal        existieren, welches zu Xiii{Xii,Yii,Zii}, auf der nächsthöheren Ebene weiterläuft.

 

+2cK2

Produktion von Wissen: Wahrnehmen, Erkennen, Verstehen

Erste Prozessebene Wahrnehmen: Wenn X, aktivierte Neurone des visuellen Systems vorhanden sind und dann, wenn Y, aktivierte Neurone des haptisch-taktilen Systems der Fall sind sind, dann gehören auch Z, aktivierte Neurone von (mindestens) einem weiteren sensorischen (auditiv, propriozeptorisch, olfaktorisch, kinästhetisch) System, dazu.

Zweite Prozessebene: Wenn X1(X, Y, Z), Neurone vorhanden sind und dann, wenn Y1, sie ihre Aktivität synchronisieren, dann wird Z1 {Xi, Yi, Zi }, das wahrgenommene Objekt Ox, als Wirkung aus ((X, Y, Z) und Y1) hervorgehen.

Dritte Prozessebene Erkennen: Wenn X2{Xi, Yi Zi}, ein wahrgenommenes Objekt vorhanden ist, und dann, wenn Y2, das Hantieren und Beachten der Details des Objekts der Fall sind, dann wird auch Z2{Xi-Yi-Zi} existieren.

Vierte Prozessebene: Wenn X3 {Xi-Yi-Zi } vorhanden ist, und dann, wenn Y3, ein wiederholendes Hantieren der Fall ist, dann wird Z3{Xii, Yii, Zii} ein (Wieder-)Erkennen des Objekts Oy als Wirkung aus ({Xi, Yi, Zi } / Y3) existieren.

Fünfte Prozessebene Verstehen: Wenn X4 {Xi, Yi, Zi}, ein erkanntes Objekt vorhanden ist, und dann, wenn Y4, das Ausprobieren des Objekts und das Nachahmen eines beobachteten Hantierens mit dem Objekt der Fall sind, dann wird Z4{Xii, Yii, Zii}, eine Funktion zwischen Objekt und ZZweck existieren.

Sechste Prozessebene: Wenn X5 ({ Xii, Yii, Zii )ZZweck)vorhanden ist, und dann, wenn Y5, ein Ausprobieren der Objekteigenschaften der Fall ist, dann wird (Z5{Xiii, Yiii, Ziii}ZZweck), als Wirkung aus ({Xii, Yii, Zii}ZZweck/ Y5), als Verstehen des Zwecks des Objekts Oz hervorgehen.

            Anmerkung: Die +2bK2 beschreibt nur die neuronalen und sensomotorischen Vorgänge beim Wissenserwerb. Die eigentliche Wirkung, die aus diesen Prozessen hervorgeht ist das Objekt O, zu dessen Konstruktion die Prozessebenen Wahrnehmen, Erkennen, Verstehen absolviert werden müssen.

 

 

            5.4 Die Regeln der 2K2 in der funktionalen Variante: Objekte als Produkte

 

Im Wirklichen laufen alle Erzeugungsprozesse nach Art der prädikativen Variante ab. Für die Prozesse zur Erzeugung quantenmechanischer Objekte mögen andere Bedingungen gelten. Experimente, wie beispielsweise die Erzeugung quantenmechanischer Objekte (Top-Quark, verschränkte Teilchen) unterliegen alle den Bedingungen der Wirklichkeit, d.h., sie folgen der Richtung des Zeitpfeils. Wenn daher Ereignisse mit der funktionalen Variante beschrieben werden, ändert sich nicht der Ablauf in der Zeit, sondern der Unterschied liegt in der Reihenfolge, in der Elemente ihre Interaktion gemäß der Variablenposition koordinieren, und sie liegt in der Änderung der Prozessstufen.

 

-2aK2

Produktion von funktionalen Gedächtnisinhalten: Neuronale Aktivität, Synchronisation, Repräsentation.

Erste Prozessebene: Wenn Z, feuernde Neurone, die auf Farbmerkmale ansprechen, gegeben sind, und dann, wenn X, feuernde Neurone, die auf Formanteile ansprechen, zur Ensemblebildung dazu gehören, dann sind auch Y, feuernde Neurone, die auf Ortsmerkmale reagieren, der Fall.

Zweite Prozessebene: Wenn Zi{Zi,Xi,Yi}, die genannten Neurone als Ensemble existieren, und dann, wenn (deshalb) Xi(Z,X,Y), ihre neuronale Aktivität gegeben ist, dann ist Yi,  ihre Interaktion über vorwärts- und rückwärts verlaufende Verbindungen (Rückkopplungen) der Fall.

Dritte Prozessebene: Wenn Zii{Zii,Xii,Yii}, auf der Repräsentationsebene als Funktion des wahrgenommenen Objekt existieren wird, und dann, wenn Xii(Zi,Xi,Yi), aktivierte Neurone als Ensemble synchron schwingen, dann ist Yii, ein Schwingungsmuster (Repräsentation) der Fall sein:

Die Funktion[vii] emergiert als Wirkung aus den Prozessen auf neuronaler Ebene.

Wenn Zii als ein gemeinsames, zur nächsthöheren Ebene weiterlaufendes Signal           existiert, und dann, wenn auf der dritten Prozessebene Neurone als Ensemble            (Xiii{Zii,Xii,Yii} ) vorhanden sind, dann ist Yii, ihr Schwingen in gleicher Phase, der Fall.

            Anmerkung: Die Beispiele -2aK2 und +2bK2 sollen die These von zwei verschiedenen Ausführungen (Varianten) verdeutlichen, in denen Gedächtnisinhalte angelegt werden, die auf Grund der unterschiedlichen Reihenfolge dementsprechend strukturiert sind. Dieser Unterschied ist, so die These[viii], der Grund für zwei verschiedene Arten des logischen Denkens.

 

-2bK2

Produktion von Wissen: Wahrnehmen, Verstehen, Erkennen

Erste Prozessebene Wahrnehmen: Wenn Z, Neurone des gustatorischen, auditiven Systems aktiviert sind, und dann, wenn auch X, Neurone des visuellen Systems aktiviert sind, dann ist auch Y, die Aktivität von Neuronen des haptisch-taktilen Systems, der Fall.

Zweite Prozessebene: Wenn als Wirkung aus Z1{Zi, Xi, Yi }, ein wahrgenommenes Objekt, hervorgehen soll, und dann, wenn X1(Z, X, Y), aktivierte Neurone der genannten Systeme vorhanden sind, dann ist auch Y1,  die Synchronisierung der Aktivität dieser Neurone der Fall

Dritte Prozessebene Verstehen: Wenn das wahrgenommene Objekt und ein Zweck ZZweck funktional verbunden sein sollen – (Z2 {Zi, Xi, Yi}) -, und dann, wenn das Objekt auch als wahrgenommen vorhanden ist (X2{Zi,Xi,Yi}),dann sind Y2, das Ausprobieren der Objekteigenschaften und das beobachtete Nachahmen des Hantierens mit dem Objekt der Fall.

Vierte Prozessebene: Wenn als Wirkung aus der Funktion von Z3{Zi,Xi,Yi} und ZZweck das Verstehen als Kenntnis der Funktion des Objekts hervorgeht, und dann, wenn das wahrgenommene Objekt samt Testung vorhanden ist (X3 {Zi, Xi, Yi}/ Y2), dann ist Y3, das Testen funktionaler Eigenschaften und Möglichkeiten des Objekts der Fall.

Fünfte Prozessebene: Erkennen: Wenn das wahrgenommene Objekt wiedererkannt werden soll (Z4{ Zii Xii Yii }ZZweck), und dann, wenn X4( {Zii, Xii,Yii }Y3), ein in seiner Funktion / seinem Zweck verstandenes Objekt vorhanden ist, dann ist Beachten von Eigenschaften und Hantieren der Fall (Y4)

Sechste Prozessebene: Wenn das in seiner Funktion und Wirkung verstandene Objekt wiedererkannt werden soll (Z5{Ziii Xiii Yiii}) ZZweck), und dann, wenn Objekt und Zweck funktional verbunden sind (X5( Zii Xii Yii ), dann ist auch ein (zweckfremdes) Ausprobieren der Fall (Y5). aus dem als zusätzliche Wirkung das Verstehen größerer Zusammenhänge hervorgeht.

Anmerkung: Mit der Anwendung der funktionalen Regel findet eine Vertauschung der dritten bis sechsten Prozessebenen statt, wodurch dem Verstehen Vorrang vor dem Erkennen eingeräumt wird. Auch hier gilt, dass die -2bK2

nur die neuronalen und sensomotorischen Vorgänge beim Wissenserwerb beschreibt. Die eigentliche Wirkung, die aus diesen Prozessen hervorgeht ist das Objekt O, zu dessen Konstruktion die Prozessebenen Wahrnehmen, Verstehen, Erkennen absolviert werden müssen.

 

 

 

Zusammenfassung

 Der vorgeschlagene Perspektivenwechsel enthält eine Fülle von Implikationen, auf die in der notwendigen Kürze einzugehen nicht möglich ist. Ich erwähne daher nur fünf Punkte, die mir wichtig erscheinen und Anlass zu weiteren Untersuchungen sein können.

1.Die Suche nach der Art der Verknüpfung von Ursache und Wirkung, die seit Hume die Philosophen beschäftigt, erübrigt sich, wenn die Zeit – als Eigenschaft des Raum-Zeit-Kontinuums – als deren Verbindung gelten kann. Offen bleibt die Frage nach der Gemeinsamkeit der Ereignisse, die diese in einen kausalen Zusammenhang stellt, und die sich auch nicht generell mit Mackies Vorschlag von einem kausalen Feld beantworten lässt.

2.Mit der Kombination unterschiedlicher Variationen und Regeln als Elemente einer aus drei Klassen bestehenden Kausalität lassen sich Ursache-Wirkungs-Beziehungen erstmals dynamisch erfassen. Es erschließen sich damit neue Zusammenhänge, die auch für die Naturwissenschaften, u.a. für die Hirnforschung, bedeutsam sein könnten. Komplexe kausale Sachverhalte können leichter erfasst und strukturiert werden, und damit neue Einsichten ermöglichen. Dies zu zeigen, war Zweck derjenigen Beispiele, mit denen eine Hypothese präsentiert wurde.

3.Unabdingbar ist die Entwicklung einer Mathematik zur formalen Beschreibung der Regeln, sowie für die Beschreibung der Abläufe innerhalb hierarchisch aufgebauter Systeme. Auch zur Beschreibung des Aufbaus von Wissen, insbesondere des funktionalen, reicht die heutige Mathematik nicht aus. Aussagen- und Prädikatenlogik basieren auf dem prädikativen Denken, sie eignen sich nach eigener Erfahrung nicht dazu, funktionale Regeln, funktionales Denken und funktionale Informationsverarbeitung zu beschreiben.

4.In der Physik und in der Biologie hat der Begriff Komplementarität eine eng gefasste Bedeutung, die ihn von anderen, ähnlichen Konzepten abhebt und unterscheidet. Seine Rückführung auf zwei Varianten der Kausalität könnte der Ambivalenz entgegenwirken, mit der er bisher verwendet wurde.

5.Naturwissenschaftlichen Theorien fehlt im Allgemeinen die Vollständigkeit der Erklärung, d.h., die Wirklichkeit lässt sich aus der empirischen bzw. der Beobachterperspektive nicht vollständig erklären: Beobachtung und Messung allein vermögen nicht zu erklären, wie es zu nur drei räumlichen Dimensionen kommt; es fehlen zudem die Erklärung für das Wesen der Zeit, für den Vorgang der Selektion als Evolutionsmechanismus und für das Entstehen von Bewusstsein, um nur einige zu nennen. Zusammenfassend: Diese Erklärungslücken nicht nur aufzuzeigen, sondern auch darauf hinzuweisen, wie sie geschlossen werden können, wäre Aufgabe der Philosophie, die sie derzeit aufgrund eines einseitig prädikativ ausgerichteten Grundverständnisses nicht hinreichend zu leisten vermag. Das prädikative Grundverständnis hat zur Verfestigung von Begriffen geführt, die das philosophische Denken einerseits lenken, andererseits eingrenzen und daher wenig Raum lassen, diese Grenzen denkend zu überschreiten. Die Betrachtung kausaler Ereignisse aus funktionaler Sicht und eine auf Regeln beruhende Beschreibung des Wirklichen sollten neue Wege zum Erkenntnisgewinn eröffnen. Die Erweiterung um die funktionale Dimension kann den Zugang zu einer umfassenderen Weltbeschreibung eröffnen.

 

Danksagung

Ich danke Tim Tisdale, Anatol Reibold, Wolfgang Heinrich und insbesondere Peter Albertz für die Zusammenarbeit, die Unterstützung, Ermutigung und konstruktive Kritik, die es mir ermöglicht haben, die für diesen Artikel notwendige Arbeit zu leisten.

 

 

 

References

Alberts, B., Johnson, A., Lewis, J., Raff, M., Roberts, K., & Walter, P. (1997). Molecular  Biology of the Cell (Garland Science, New York, 2002). Chapter: From RNA to  Protein

CrossRef        Google Scholar

 

Brandenberger, R., & Vafa, C. (1989). Superstrings in the early universe. Nuclear Physics B,   316 (2), 391-410.

CrossRef        Google Scholar

 

Bilski, S.: Studien zur elektroschwachen Produktion von Top-Quarks in Proton-Proton-  Stößen bei ATLAS. Masterarbeit. Humboldt-Universität zu Berlin

 

Dägling, E. (2009). Vom Gefahrwerden zum Bewusstsein: AD (H) S-oder die funktionale Art     der Aufmerksamkeit. Saunar.

Google Scholar

 

Engelkamp, J., & Zimmer, H. D. (2007). Lehrbuch der kognitiven Psychologie.

 

Falkenburg, B., & Schnepf, R. (1998). Kausalität in Metaphysik und Physik. Verursachung  und Repräsentationen von Kausalität, Hamburg, Meiner, 27-48.

Google Scholar

 

Feynman, R. , Leighton, R., Sands, M. (2007). Das Prinzip der kleinsten Wirkung. Elektromagnetismus und Struktur der Materie. Feynman-Vorlesungen über Physik,   2. Band.5. Aufl. (München: Oldenbourg)

CrossRef

 

Gardner, H. (1989).Dem Denken auf der Spur: Der Weg der Kognitionswissenschaft     (Stuttgart: Klett Cotta)

Google Scholar

 

Gonzales-Ayala, J., Cordero, R., & Angulo-Brown, F. (2016). Is the (3+ 1)-d nature of the universe a thermodynamic necessity? EPL (Europhysics Letters), 113(4), 40006.

CrossRef        Google Scholar

 

Kant, I. KrV AA III S.166

 

Goldstein, E. B. (1997). Wahrnehmungspsychologie: eine Einführung; Dt. Übers. hrsg. von Manfred Ritter.

 

Ingold, G.L. (2015, 5.Aufl.). Quantentheorie. Grundlagen der modernen Physik. (München: C.H.Beck)

Google Scholar

 

Lewis, D. (1974). Causation. The journal of philosophy, 70(17), 556-567.

Google Scholar

 

Mackie, J. L. (1965): Causes and Conditions. American Philosophical Quarterly, 2(4) 245- 264

 Google Scholar

 

Navarrete, M., Perea, G., de Sevilla, D. F., Gómez-Gonzalo, M., Núñez, A., Martín, E. D., &     Araque, A. (2012). Astrocytes mediate in vivo cholinergic-induced synaptic plasticity.  PLoS biology, 10(2), e1001259.

CrossRef        Google Scholar

 

Perea, G., & Araque, A. (2005). Glial calcium signaling and neuron–glia communication. Cell    calcium, 38(3), 375-382.

CrossRef        Google Scholar

 

Pauen, S. (1996). Kategorisierung im Säuglingsalter: die Unterscheidung globaler Objektklassen. Zeitschrift für Experimentelle Psychologie 43(4), S.600-624

 

Pereira Jr, A. (2007). Astrocyte-trapped calcium ions: the hypothesis of a quantum-like conscious protectorate. Quantum Biosystems, 2, 80-92.

 

Pereira, A., & Furlan, F. A. (2010). Astrocytes and human cognition: modeling information integration and modulation of neuronal activity. Progress in neurobiology, 92(3), 405- 420.

Google Scholar

 

Rochat, P. (1989). Object manipulation and exploration in 2-to 5-month-old infants.  Developmental Psychology, 25(6), 871.

Google Scholar

 

Schwank, I. (1986). Cognitive structures of algorithmic thinking. (Paper presented at  Proceedings of the 10th Conference for the Psychology of Mathematics Education  (pp.195-200).

 

Schwank, I. (2003). Einführung in prädikatives und funktionales Denken. ZDM, 35(3), 70-78.

CrossRef        Google Scholar

 

Stegmüller, W. (1983), Erklärung, Begründung, Kausalität, Band I der Reihe „Probleme und      Resultate der Wissenschaftstheorie und analytischen Philosophie “, 2.

 

 

Internet-Sources

Tegmark, M.  Wheeler, J.A.(2001, April) 100 Jahre Quantentheorie. – Magazin 01.04.2001    Retrieved 03.06.2017 from http://www.spektrum.de/magazin/100-jahre-quantentheorie/827483

 

Stand-alone document, no author identified, no date:

Proteinsynthese. Retrieved: 06.06.2017 from http://www.br.de/telekolleg/faecher/biologie/biologie-08-genetik104.html

 

Kraft, U. (2008 / 9) Neue Stars am Sternforscherhimmel. Retrieved 17.05. 2017 from    http://www.bild-der-          wissenschaft.de/bdw/bdwlive/heftarchiv/index2.php?object_id=31561724

 

 

Fußnoten

[i] Die Begriffe prädikativ vs. funktional wurden von Schwank 1986 zur Unterscheidung und Beschreibung zweier Arten des logischen Denkens eingeführt

[ii] Umstände, die gegeben sein müssen, haben demnach Vergangenheit, eine Eigenschaft, die für das Verständnis einer regelhaft verfassten  Kausalität von Bedeutung ist.

[iii] Das auslösende Moment findet stets in der Gegenwart eines Ereignisses statt, welches damit zur Ursache wird.

[iv] Diese Vorgehensweise gilt auch für Fragen, deren Zweck nicht zu erkennen ist: Es wird auf den vermuteten Zweck hin geantwortet, nicht auf die direkte Frage

[v] Eine tripartite Synapse wird gebildet von der präsynaptischen Endplatte der sendenden Nervenzelle, der postsynaptischen Endplatte der empfangenden Nervenzelle, sowie einem Astrozyten (Gliazelle).

[vi] LTP = Long-Term-Potentiation

[vii] Funktion meint den mathematischen Begriff, die Zuordnung von Elementen einer Definitionsmenge zu Elementen einer Zielmenge

[viii] . Der These liegen Beobachtungen zugrunde [5], deren experimentelle Bestätigung noch aussteht.

Impressum

Verantwortlich für Webinhalt
Elisabeth Dägling
E-Mail: info@kausalitaet-und-adhs.de

Konzeption und Produktion Web
mw ² >multidesignstudio
München
www.mw2.org

Haftungshinweis:

Trotz sorgfältiger Prüfung und ständiger Aktualisierung können wir keine Haftung für die auf dieser Webseite veröffentlichten Inhalte übernehmen. Dies gilt auch für die Seiten, die von dieser Seite aus verlinkt sind. Für deren Inhalt sind ausschließlich die Betreiber der Webseiten verantwortlich. Ebenso betrifft das Seiten, die mittels Link auf diese Seite verweisen. Des weiteren behalten wir uns das Recht vor, Änderungen oder Ergänzungen der hier bereitgestellten Informationen vorzunehmen.

Das Copyright der auf dieser Seite verwendeten Texte u. Illustrationen liegt bei E. Dägling. Das Verwenden der Texte ist nur nach Rücksprache möglich.