Moderne Wissenschaft
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Moderne Wissenschaft

Der Journalist Christian Weber schrieb im Januar 2017 in der „Süddeutschen“ anlässlich des Geburtstages von Stephen Hawkings „…dass moderne Naturwissenschaft vor allem Teamarbeit ist, ein mühsamer Prozess, in dem viele Forscher kleine Erkenntnisfortschritte langsam zu einem genaueren Bild der Welt zusammenfügen.“

Der erste Teil das Satzes trifft zu, der zweite jedoch nicht. Dass „moderne“  Naturwissenschaft vor allem Teamarbeit ist, liegt nicht in der Natur der Wissenschaft, die diese Art Arbeit erfordert, sondern an unserer Epoche. Wir leben in der massendemokratischen Postmoderne und deren Weltordnung, die die ‚Gleichheit‘ aller Menschen propagiert. Und Gleichheit heißt  nicht nur, dass alle Menschen vor dem Gesetz gleiche Rechte   besitzen, sondern dass ihnen auch gleiche Eigenschaften und Fähigkeiten zugeschrieben werden. Deshalb ist in den Wissenschaften der „Elfenbeintürmler“, das einsame Genie, kein Thema mehr. Sondern Erkenntnisse dürfen nur noch interdisziplinär, durch Teamarbeit und mittels festgelegter Methoden, die für alle Wissenschaftler gleich gelten, gewonnen werden.

Dieser Richtungswechsel hat seinen Preis. Denn die Natur kennt keine Ideologien. Sie richtet sich nicht nach den Überzeugungen, die  Menschen vertreten. Eine wissenschaftliche, neuartige Idee ist stets nur in einem Kopf entstanden, nicht durch die Zusammenarbeit im Team oder interdisziplinär. Sie war auch nie das Resultat kleiner Fortschritte, die zu einem Bild zusammengefügt werden mussten, sondern es waren große Entwürfe: Copernicus‘ und Galileis Entdeckung, mit der die Erde ihren Platz als Mittelpunkt des Universum räumen musste, Darwins Evolutionstheorie,  Einsteins Relativitätstheorien.

Mit der Teamarbeit sind große Entwürfe ausgeblieben, können Fragen wie die nach der Arbeitsweise des Gehirns oder nach der Entstehung des Universums nicht mehr beantwortet werden. Auch die Ursachensuche des ADHS-Phänomens ist auf der Strecke geblieben, und Kausalität als Konzept gleich für obsolet erklärt worden.

Es ist keine gute Wissenschaft,  wenn eine allgegenwärtige Erfahrung, nämlich die, dass Ursachen auch Wirkungen haben,  geleugnet wird, weil sie scheinbar nicht mehr ins neue Weltbild passt.

Es ist keine gute Wissenschaft, wenn geleugnet wird, dass es für ein Verhaltensphänomen eine Ursache gibt, man sie aber dank des modernen Wissenschaftsbetriebs nicht findet und stattdessen behauptet, es gebe mehrere faktoren, die das Verhalten auslösen.

Es ist keine gute Wissenschaft, wenn dem Formalismus beim Verfassen eines wissenschaftlichen Artikels die gleiche Bedeutung zugemessen wird, wie dem Inhalt.

Es wäre an der Zeit, umzudenken. Aber davon ist die Wissenschaft noch meilenweit entfernt.

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