Geschlechter
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Geschlechter

Wir gehören zu einer Minderheit der Menschen, die allerdings gar nicht so minder ist. Denn das, was mit ADHS bezeichnet wird, ist eine extreme Ausprägung einer Existenzweise.

1986 stellte die Mathematikdidaktikerin Inge Schwank ihre Theorie der „prädikativen vs. funktionalen Art logischen Denkens“ vor. Hinter dem etwas schwierigen Titel verbirgt sich das Ergebnis einer Reihe von Studien, in denen Schwank und ihre Kollegen herausgefunden haben, was sie bezeichnen als „die Welt durch eine Brille sehen“. Die Brille, die alle Menschen tragen, prägt unsere Wahrnehmung, unsere Art zu denken und unsere Art zu erleben. Allerdings haben wir nicht alle dieselbe Brille auf, sondern es gibt zwei verschiedene Brillen. Die Mehrheit der Menschen verwendet die prädikative, und eine Minderheit die funktionale Brille.

Wie muss man sich das nun vorstellen, was „macht“ diese Brille, und inwiefern prägt sie unser Denken und Erleben?

Vor einigen Jahren sprach man davon, dass ADHS eine Störung der Informationsverarbeitungsprozesse sei. Inzwischen ist man in den Wissenschaften etwas mehr in die Details gegangen, aber um Informationsverarbeitung geht es nach wie vor, z. B., wenn es um Neurotransmitter geht. Informationsverarbeitung heißt, die Welt, wie wir sie wahrnehmen und erleben, entsteht erst im Kopf, durch eben diese Verarbeitungsprozesse. Die Prozesse sind so organisiert, dass sich für uns ein geordnetes, einheitliches Welterleben ergibt. Dazu gehört, dass wir Kategorien bilden können, also  Dinge in Ober- und Unterbegriffe einteilen – ein Dackel ist ein Hund, ist ein Tier – , aber auch, dass sich Schemata bzw. kognitive Strukturen herausbilden, die ebenfalls zu unserer Art, die Welt zu erleben, beitragen.  Man nimmt an, dass es verschiedene kognitive Strukturen gibt: Die kausale kognitive Struktur  soll uns ermöglichen, Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge zu erkennen, die ordinale kognitive Struktur die Voraussetzung sein, um Zahlen erkennen und rechnen zu können, die raumzeitliche, um die Dinge in dieser Welt in drei räumlichen Dimensionen wahrzunehmen und Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu erleben. Dies „Brillen“ sind also Ordnungsstrukturen.

Frau Schwank hat diesen Strukturen nun zwei weitere hinzugefügt: die prädikative und die funktionale. Doch im Unterschied zu den soeben genannten, über die alle Menschen verfügen, ist es mit diesen beiden so, dass wir nur eine von ihnen „aufsetzen“ können, entweder die prädikative oder die funktionale. Welche wir letztlich besitzen, ist in unseren Genen festgelegt. Wechseln können wir sie also nicht.

Diese Brille lenkt unsere Aufmerksamkeit. Wer die prädikative Brille mitbekommen hat, dessen Aufmerksamkeit richtet sich auf  Zustände, auf Einzelheiten und auf Beziehungen. Wer die funktionale Brille mitbekommen hat, dessen Aufmerksamkeit richtet sich auf Abläufe, auf Prozesse und Wirkungsweisen. Und diese funktionale ist die Brille, die Menschen tragen, die fälschlicherweise als von ADHS betroffen gelten. Von der Brille hängt nicht nur unsere Art der Aufmerksamkeit ab, sondern auch die Art und Weise, in der wir wahrnehmen, wie wir denken und wie wir uns verhalten.

Wenn es also zwei verschiedene Arten und Weisen gibt, auf die die Welt in den Kopf kommt, wenn  es zwei Arten und Weisen gibt, in denen Menschen Wissen erwerben, und wenn es zwei Arten und Weisen gibt, in denen wir denken und wahrnehmen, dann betrifft dieser Unterschied unseren Geist, nicht unseren Körper.  Körperlich unterscheiden wir uns in zwei Geschlechter: männlich und weiblich. Auch geistig, und das ist neu, unterscheiden wir uns in zwei Geschlechter: prädikativ und funktional.

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