Perspektivenwechsel
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Perspektivenwechsel

Wer sich über einen längeren Zeitraum hinweg mit ADHS beschäftigt hat, dem dürfte inzwischen aufgefallen sein, dass sich seit geraumer Zeit nichts Neues auf diesem Gebiet mehr tut. Seit fast zwei Jahrzehnten tritt die Ursachenforschung auf der Stelle. Allenfalls kleinere Details, die die bekannten Annahmen stützen, werden hin undwieder veröffentlicht. Ähnlich sieht es aus, wenn es um die Behandlung geht: Nach wie vor streiten sich die Fachleute, welche Therapie denn nun die richtige ist, die multimodale, die auch die Vergabe von Methylphenidathydrochlorid einschließt, oder eher doch die verhaltenstherapeutische bzw. psychoanalytische Behandlung?

Der Anlass für diese Auseinandersetzungen ist die fehlende Kenntnis der Ursache, und der Grund für die Erfolglosigkeit bei der Ursachensuche ist, dass man nach der Ursache einer Störung bzw. Krankheit sucht. Sicher, man weiß inzwischen, dass eine Neurotransmitteranomalie vorliegt – deshalb wirken Ritalin & Co ja auch, weil sie die Dichte der Dopamintransporter reduzieren. Nur: was verursacht diese Neurotransmitteranomalie?

Auch eine genetische Komponente ist bekannt, aber auch da stellt sich die unbeantwortete Frage nach einer Ursache. Mit anderen Worten: jede bisherige Ursache, die nicht bei den Eltern oder in der Ernährung die Erklärung für das Verhalten sucht, fordert eine weitere Ursache. Und jede Erklärung, die die Schuld bei den Eltern, bei der Gesellschaft, in der Ernährung sucht, beantwortet nicht, verschiebt das eigentliche Problem: die Schwierigkeiten, die wir, die „Betroffenen“ mit den von der Mehrheit gesetzten Normen hat.

Da sich also eine Ursache nicht finden lässt und sich auch die bisherigen „Ursachen“ nicht unter einen Hut bringen lassen, ist man dazu übergegangen zu behaupten, es gebe keine einzelne Ursache. Stattdessen heißt es nun, es seien verschiedene Faktoren, die zusammenkommen müssen und die dann das Verhalten auszulösen.

Diese „Erklärung“ ist so etwas wie ein Kompromiss, nämlich der Versuch,  die Sichtweisen beider Lager zu berücksichtigen. Sie enthält zugleich aber auch die unausgesprochene Behauptung, dass es andere Erklärungen nicht geben kann. Das klingt für mich nach dem Motto: Wenn  die Natur des Verhaltens sich mit unseren Annahmen nicht vereinbaren lassen will, dann passen wir sie eben an unsere Annahmen an, denn die sind richtig.

Dieser Standpunkt  hat den Vorteil, dass man vor allem eins nicht machen muss: Man muss nichts ändern! Etwas zu ändern würde heißen, die Perspektive wechseln zu müssen und zu fragen: „Finden wir die Ursache vielleicht nicht, weil wir von falschen Voraussetzungen ausgehen? Angenommen, das Verhalten ist keine Krankheit und auch keine Störung – was ist es dann?“

Eine Antwort könnte dann heißen: wenn es keine Krankheit ist und auch keine Störung, dann ist es normal.

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